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Nov.′ 19 22

Die Erste weckt die Crew um 6h auf. Es ist noch total dunkel. Und alles ist nass – Es regnet. Naja – immerhin ist SW Wind.

Kaum haben wir abgelegt und den Kurs nach Graciosa angelegt, verschwinden mal wieder alle unter Deck. Nur der Kptn. bleibt alleine in der wilden See bei tief stehender Sonne (das ist echt nicht seine Zeit) an der Pinne stehen und wartet auf den nächsten warmen Regenschauer… Er spielt gerne Chauffeur – immer das Gleiche.

Naja – die Stunden vergehen. Das letzte Stück (5sm) Richtung Graciosa haben die Segel gar keinen Sinn mehr – Voll gegenan!

Wir kommen um 16h an und werden von dem Marinero empfangen und winkend auf einen Platz geführt. Perfekt.

Im Office brauchen wir uns gar nicht mehr melden… Es ist Freitag – das hat um 14h zugemacht… Erst wieder am Montag – alns kloar. Dann machen wir auch mal Wochenende.

Strom legen und Segel einpacken machen wir morgen – das heute auch noch zu erledigen, ist echt zu anstrengend… wir schaffen es gerade noch, mit Renate und Uli Sardinas im Hafenrestaurante zu bestellen. Dann fallen wir müde in die Betten.

Graci und osa

Nov.′ 19 21

Gestern hatten wir noch ein Auto reserviert, mit dem wir heute die Insel erkunden wollen.

Wir haben ja im Jahr 2011 schon viel von Lanzarote gesehen, aber ein paar Dinge fehlen noch: Die Cueva de los Verdes, das Haus von César Manrique in Haría und El Golfo, die raue Westküste der Insel.

Doch zuerst halten wir in Playa Blanca und kaufen eine Simkarte, damit wir auf Graciosa genügend vernetzt sind. Dann stöbern wir nach kleinen Adventskalendergeschenken und packen auf der Ablage unseres Fiat Pandas Weihnachtspäckchen für Veit, die anschließend in der Post auf den Weg nach Kiel geschickt werden. Nun aber los, Richtung Arrecife. Julita erzählt, sie bekommt Besuch und will zelten.. Son Teil, das man in die Luft wirft und was, dann Aufgebaut landet, wollte der Kaptn. schon immer mal haben, als Generation *im Dunkeln Zeltstangen suchen und sich in der Zelthaut verheddern*. Also steht ein Stopp bei Decathlon an. Daneben lässt das goldene M des Käptns Magen knurren. Da der Weg vom knurrenden Magen zum knurrenden Käptn recht kurz ist, kehren wir ein. Als das befriedigt ist, geht’s Kurs Cueva de los Verdes – supergeilo. Toll beleuchtet… Aber warum machen die in einige Ritzen Bauschaum rein… Der Kptn. wird leicht unruhig. Ganz tief unten ist ein Konzertsaal in der Höhle. Schöne Farben und ein Geheimnis… wir kommen an ein unglaublich tiefes Loch, der Höhlenboden leuchtet von unten uns entgegen. Atemlose Stille setzt bei den rund 30 Besuchern ein. Dann nimmt die Höhlenführerin einen Lavastein in die Hand, um ihn in die Tiefe zu werfen. Wir erwarten einen laaaangen Fall und ein entferntes Klonk. Doch.. der Stein fällt ins Wasser! Wellen verzerren das Bild, das sich im Höhlensee gespiegelt hat. Wow. Tanürlich haben wir ein Foto gemacht. Unerlaubterweise. Aber ihr wollt ja auch einen Eindruck haben.

Wir also wieder ins Auto, weiter zu Manriques Haus. Super eingerichtet… hat die gleiche Küche wie Beate (s. Foto) – ist also künstlerisch wertvoll… Also Ulf – ich denke, Beate sollte dir doch das neue Segel erlauben. (Zeterundhorrido).

Ein heißer Typ war Manrique – das konnte man in einem Filmchen gut sehen. Er hat richtig viel rumgemeckert, als Lanzarote mit Hotelburgen zubetoniert werden sollte. Auch Demos wurden organisiert. Bis die Regierung (!) seinen Plänen zugestimmt hat. Echt toll, wie er es geschafft hat, Lanzarote seine Schönheit mit den kleinen weißen Häusern zu bewahren – Hoffentlich bleibt es so.

Weiter nach El Golfo – vor dem Sonnenuntergang wird es ziemlich knapp… Vor allem weil auf dem Weg dorthin noch Angelina Jolie und Brad Pitt am Wegesrand rumstehen und dort einen neuen Film drehen. Leider standen auch noch ne Menge WoMos und Zelte und Security im Weg. Wir konnten ihnen also nicht persönlich guten Tag sagen.

Mit dem letzten Viertel der Sonne landen wir in El Golfo und schießen ein paar Fotos von der sagenhaften Küste. Auch die Saline im Sonnenuntergang ist schön.

Leider wird es für den kleinen Wanderweg von El Golfo nach Süden schon etwas zu schnell dunkel – nächstes Mal.

Wir geben unser Auto zurück und verabreden uns mit Karl in der One-Bar – Sehr gemütlich und sehr lecker – zu empfehlen.

Im Dunklen machen wir das Schiff seeklar – morgen wollen wir weiter – allerdings wieder nach Norden. Wir haben per Email 2-Wochen Graciosa gebucht.

Over und out

Nov.′ 19 20

Renate nimmt uns mit dem Auto mit nach Arrecife zur Lavandaria im Yachthafen. In Rubicon gibt es immer noch die amerikanischen Waschmaschinen, die die Wäsche nur befeuchten, aber nicht säubern. Wir trinken in der Marina in Arrecife ein Käffchen, während wir auf die Wäsche warten und treffen prompt Jörg von der SY Aurelia mit Nick. Jörg macht sich die Tage auf zu den Kapverden. Dann schauen wir uns noch das neue Schiff von Tom und Susi an, das hier liegt, während die beiden auf Landurlaub sind. Auf dem Rückweg halten wir in unserem beliebten deutschen Discounter, um unseren Kühlschrank und die Obstnetze wieder zu füllen. Der Käptn kommt in der Ferreteria mit Shipchandler auf seine Kosten, endlich kriegt er seine Kupferscheiben.

Am Nachmittag kommt Erhard vom TO-Stützpunkt Lanzarote an Bord und bringt uns ein Weihnachtsbrief aus der Heimat, der langersehnte alljährliche Adventskalender. Mit Karl verschnacken wir den Abend und schicken Wetterberichte nach Neuseeland, wo sich ein Freund von ihm in einem Sturmtief auf See befindet. Er kommt aber sicher an, keine Sorge.

Herrlich und hier

Nov.′ 19 19

Als die Sonne aufgeht, ist Lanzarote schon in Sicht.

Wir haben die zwei Tage mit 260 Grad vorgehalten… jetzt dreht der Wind westlicher und wir können und müssen abfallen – alles passt perfekt. Meenos Wetter stimmt wieder richtig gut.

Gegen 14h machen wir in Rubicon fest. Wir werden von den Spaniern erstmal mit nem Schlag in die Magengrube empfangen. Unsere Windsteueranlage und unser Anker würden ja überstehen… Sie könnten uns keinen Platz unter 10m für unser Schiff anbieten. (Die haben es nachgemessen). 11m Plätze wären alle besetzt, wir können auf einen 13m Platz und müssten dieses dann auch bezahlen – willkommen im kapitalistischen Europa.

Wir nehmen für 3 Tage den 13m Platz und schlucken die Kröte.

Uli und Renate von der SY Men Goe kommen an Board… Wir planen die Flucht aus der Marina Rubicon am Freitag mit dem SW-Wind nach Graciosa. Gute Idee.

Eigentlich sind wir ganz gut ausgeschlafen, aber son Mittagsschlaf tut trotzdem ganz gut…

Am Abend landet Karl von der SY Maija auf der Insel und besucht uns ebenfalls – voll was los hier auf Lanzarote.

Der Hunger meldet sich und die Snackbar hilft mit nem halben Hähnchen und anderen Leckereien aus. Auch ein Bierchen bekommt man hier wieder ohne Probleme.

Pipe und Bier.

Nov.′ 19 18

Nachts wurde der Wind etwas schwächer, Anton, die Windsteuerung schaffte es nicht mehr den Kurs zu halten, also musste Thorkel ran, der Elektrische. Aber wir konnten durchsegeln. Heute halten wir uns auch mal an die Mahlzeiten, das hebt die Stimmung beträchtlich. Ein Zaubermüsli zum Frühstück, so mit Äpfeln und Nüssen. Und mittags spanischen Eierkuchen mit Kartoffeln. Hm das tut gut. Um 13 Uhr macht der Käptn mal für zwei Stunden den Motor an, aber nur um Strom zu machen, der Schleppgenerator schafft es nicht ganz und die Solarzelle war den ganzen Tag über vom Großsegel abgeschattet.

Der Wind dreht auf Nordwest, wir können höher ran. Die Röde Orm liegt super in den Wellen und wir schweben übers Wasser. Segeln ist schon toll. Wir schlafen viel, lesen viel, nachts guckt die Erste gern mal n Film, um die Müdigkeit zu überwinden. Snickers hilft, wenn es gar nicht mehr geht. Und das neue Lieblingskaugummi mit viel Vitamin C, wenn es unangenehm in der Magengegend wird. So fliegt der Tag dahin. Wir schaffen die Halbzeit, jetzt haben wir schon mehr Meilen gesegelt, als noch vor uns liegen.

Am Abend haben wir die 100sm Schallmauer überquert – irgendwie ist das immer besonders. Der schlappe Nachmittagswind nimmt zum Glück wieder etwas zu und bringt uns segelnd weiter Richtung Lanzarote.

Over und aus.

Nov.′ 19 17

Das Boot wird weiter seeklar gemacht. Die Erste holt sich die Stempel beim Zoll. Völlig unproblematisch, fröhlich wünschen sie uns gute Fahrt und ein Wiedersehen in Marokko. Wir können ablegen, dürfen jetzt auch den Steg nicht mehr verlassen – alles klar. Die Röde Orm ist ja rückwärts eingeparkt, das Ablegemanöver wird also einfach.

Die Wetterprognose ist weiterhin gut. 3-4 Windstärken, halber Wind und sonnig.

Nur die ersten paar Meilen (40) sind ziemlich flau… Der Kuddel bringt uns aus der Flautenabdeckung heraus und in den Wind. Hoffen wir. Denn zuerst motoren wir ziemlich lange. Mit 3 m Dünung von der Seite ist das kein Vergnügen. Ein Hin-und Hergeschaukel mal wieder. An Kochen ist nicht zu denken, es gibt außer Datteln und Pistazien noch Zwieback und Baguette. Das muss reichen. Direkt zum Sonnenuntergang, bei dem letzten Licht setzen wir Segel und können die Nacht durchsegeln. Das macht nun wieder Spaß, die Dünung wird kleiner, das Schiff liegt stabiler. Wir schlafen gut. Die SY Aurelia ist die ganze Zeit in UKW-Funkweite, so können wir uns ab und zu anfunken. Der Funkkontakt nach Kiel klappt nur rauschend. Die Nacht ist sternenklar, das Wasser leuchtet, der Mond leuchtet uns mit halber Kraft, so dass wir gut sehen können.

Klabauter und mann

Nov.′ 19 16

Boot vorbereiten! Morgen ist guter Wind für die Kanaren. Fünf Boote wollen aus dem Hafen ablegen. Wir vergleichen die Wetterberichte. Der Kptn. holt mit der SY Aurelia Diesel an der der Tankstelle. Wir haben ja noch den Leihwagen. Die Erste schnappt sich den Wasserschlauch und spült das Schiff frei, es hatte sich inzwischen eine Tarnfarbe zugelegt. Die letzten Dirhams müssen noch ausgegeben werden. Wir zuckeln in die Stadt  zum UniPrix kaufen noch ein echtes marokkanisches Tee-Set und diverse Andenken. Dann kommt der Carrefour – hier versorgen wir uns mit frischen Dingen für die Überfahrt – Obst gegen Skorbut und sowas. Die Preise sind fast wie bei uns.

Datteln und Pistazien gibt’s allerdings supergünstig. Das wird unser Hauptnahrungsmittel für die See. Wir geben den Wagen zurück und werden zum Hafen gebracht. Die SY Dimanche Matin, Erik und Mireille aus Kanada bleiben noch, sie kommen Anfang Dezember nach. Sie müssen 3 Monate außerhalb der EU sein, bevor sie wieder nach Spanien können. Wir sitzen noch fröhlich beisammen, bevor wir uns wehmütig verabschieden. Was für liebe Menschen aus aller Welt wir kennenlernen auf unserer Reise. Wunderbar!! Das Samstag-Abend-Konzert am Strand von Agadir lockt zwar sehr, wir drehen aber rechtzeitig ab. Die Abende vor der Überfahrt sind zwar die lustigsten (siehe Portimao), aber die Überfahrt wird dann nicht mehr so lustig.. also legen wir uns in die Koje. Aber, morgen haben wir ja wieder 235sm vorm Bug.

Over und aus

Nov.′ 19 15

Das Frühstücksbüffet hat nur bis 9h geöffnet – das ist sportlich für uns.

Auf den Tischen liegt eine dünne Sandschicht. Das Büffet ist aber knirschfrei.. nicht so wie beim Grillen in Dänemark am Strand..

Wir graben das Auto aus und verproviantieren uns in der Superette. Der Käpt’n kriegt n Snickers für die Überfahrt durch die Berge. Schnell quer fliegender Sand verstopft alles. Jetzt wissen wir, warum hier alle in langen Gewändern und Gesichtsvermummt rumlaufen… bei dem Sandaufkommen in der Luft ist das lebensnotwendig.

Wir fahren durch bis nach Agadir und fallen glücklich auf die Kojen. Die Taschen werden ausgepackt, Sandberge häufen sich auf. Die Mägen grummeln. Wir trinken alle eine Tasse Saharasand – nee Heilerde. Wieder Sandknirschen zwischen den Zähnen. Draußen tobt der Sturm, die Leinen knarren. Ach es tut gut wieder in Agadir zu sein.

Koje und aus.

Nov.′ 19 14

Wir wurden ja gewarnt: Nachts sei es kalt in der Wüste. Das ist aber untertrieben, es ist schweinekalt. Die Sonne am Morgen wärmt alles schnell wieder auf, sogar frühstücken im Freien, mit Aussicht auf die Saharadünen, geht wunderbar.

Dann folgt der versprochene Frühsport auf der Düne. Wir fahren Schlitten und Snow… äh Sandboard – die Düne runter. Nun ist alles völlig verloren, denn nach ein paar Purzelbäumen im Sand haben wir ihn überall – wirklich überall. In Kombination mit ein bisschen Wasser oder auch Schweiß, klebt das Zeug wie hulle.

Unser Geländewagen hubbelt uns wieder über die Wüstenwellen raus aus der Sahara.

Wir ziehen um, in unser normales 2-Rad-Antrieb-Auto und fahren auf glatten Teerstraßen wieder nach Norden. Die Erste braucht jetzt ein bisschen Luxus und hat in Ait Ben Haddou ein Zimmer in einem Hotel gebucht. Mit eigenem Bad und Pool – irgendwie müssen wir den Sand los werden.

Unser Auto und die Erste verkrampfen etwas bei der Serpentinenstrecke nach Ouarzazate. 20km Serpentinen bergauf… Puh.

Angekommen im Hotel. Es herrscht ein Sandsturm… alles ist mit einem feinem Sandfilm überzogen – es knirscht zwischen den Zähnen – das ist ja schlimmer als in der Wüste.

Das Zimmer ist aber schön und einigermaßen Sand frei. Die ersten Versuche, sich vom Sand zu befreien, klappen nicht, denn die Dusche liefert nur kaltes Wasser. Außerdem läuft das W-Lan auf unserem Gang nicht.. und das bei unserer Luxussuite. Wir sind etwas genervt. Hier zahlen wir das doppelte, was sonst Airbnb kostet.. da muss Warmwasser und W-Lan drin sein. Der Empfangsherr ist super nett und gibt uns lachend einen anderen Zimmerschlüssel. Wir sind glücklich. Wasser läuft warm.. wenn auch tröpfelnd und der Router ist quasi über der Zimmertür. Nachdem der Kptn. den Duschkopf repariert hat und die Wandhalterung wieder an der Wand befestigt hat (Schweizer Taschenmesser sei Dank), sind alle zufrieden. Der Pool wäre wunderschön bei Sonnenschein, nun ist es zu windig und zu knirschig, da wird man ja quasi paniert. Den schenken wir uns. Im Restaurant finden wir eine hübsche Ecke mit Blick auf Ait Ben Haddou. Aber alle gucken nur auf ihre Handys… Tze. Ein Tag kein Netz ist schon heftig.

Draußen tobt der Sandsturm – die ganze Nacht.

Hoffentlich finden wir das Auto morgen aufm Parkplatz wieder.

Wlan und Staub

Nov.′ 19 13

Nun sind wir schon auf 1000m überm Meeresspiegel und fahren weiter durch das raue Atlasgebirge. Die Farbe der Landschaft ändert sich, wir fahren enge Serpentinen durch eine schwarze Wüste, fast wie Lava. Dann wird es wieder flacher, wir fahren durch eine lange Talstraße, Palmen säumen den Weg, schließlich wird es kahl, wir nähern uns Mhamid, dem letzten Dorf vor der Wüste. Die Dörfer werden ärmlicher, in den Bergen sieht man Steinhütten, Schäfer treiben ihre Herde umher. Eselkarren begegnen uns, Fußgänger. Wenig Autos. Die Häuser bestehen jetzt ausschließlich aus einem Lehm/Stroh-Mix.

 

Die Wüste zieht aus allem das Leben heraus: Zuerst ist das Geld alle – wir müssen neues holen, dann schwächelt das Internet – wir laden nach. Zu allerletzt ist der Tank leer – Diesel finden wir auch noch.

Ismail, der Wüstenführer, den uns die SY Dimanche Matin empfohlen hat, wartet am Ortseingang auf uns. Er fährt mit uns zu seinem Office, weist uns einen Parkplatz zu und vermittelt uns Turbantücher, die er uns auch sogleich auf den Kopf bindet. Wir besorgen noch ein paar Liter Wasser, dann steigen wir um in einen Geländewagen. Der Käptn wundert sich, dass alle anfangen zu flüstern. Dann fällt ihm das Tuch vom Kopf und siehe da… seine Ohren waren wohl zu fest gewickelt.

Unsere wüsten Abenteuer beginnen (man beachte das Wortspiel).

45 km zuckeln wir mit dem Vierradantrieb durch die Sahara. Also zuckeln ist zu sanft, sagt die Erste.. wir schaukeln.. nee wir werden durchgeschüttelt! Die Landschaft ändert sich auch hier alle 10 Min.

Irgendwann tauchen am Horizont Berge auf – nein es sind Dünen – ziemlich hohe Dünen – die höchste soll 300m hoch sein, erzählt Ismail.

Unser Camp mit den Wüstenzelten liegt zwischen diesen hohen Sanddünen – es ist ein Traum. Überall ist Sand – aber nicht so Strandsand – Saharasand – viel viel feiner als der Osteseekies. In dieser Gegend wäre ne Staubsaugervertretung echt ne Goldgrube. Hier könnte sich Vorwerk so richtig dran auslassen – die vielen Berberteppiche, die hier überall auf dem Sand rumliegen könnten mal n guten Staubsauger brauchen… Wie heißt der Typ – ach ja: Sissyfus.

Kaum sind wir aus dem Auto raus und haben unsere sieben Sachen im Zelt abgeladen sitzen wir auch schon auf dem Kamel. Die Zeit drängt etwas, um den Sonnenuntergang mitzuerleben, müssen wir schon ganz schön hoch auf die Düne krakseln.

Der Sand ist so weich, dass es dem Kptn. richtig schwer fällt da oben rauf zu kommen. Die Düne sackt immer wieder unter ihm wech.

 

Die Sonne ist dann auch schnell hinter ner Düne verschwunden und wir klettern wieder auf die Kamele. Aber Julias Kamel ist irgendwie auch in dem Sand eingesunken und schafft es nicht wieder auf die Beine. Die Erste muss wieder das Kamel verlassen. Dann wird das Wüstenschiff verholt und an einer anderen Stelle neu vertäut – äh – geparkt – also – es legt sich wieder hin. Die Erste steigt auf… und ab geht die Post – zurück zu dem Camp.

Wenn das jetzt nicht geklappt hätte, hätte Ismail nen fliegenden Teppich besorgt…

Die Tiere machen echt komische Geräusche. An irgendetwas erinnert das den Kptn… – dann fällt es ihm ein. Die Kamele reden genauso wie dieses haarige Tier von Star Wars „Chebacca“ oder so…. 100% gleiche Aussprache.

Im Camp steht die Taijin schon bereit. Wir werden wieder sehr satt.

Es gibt später ein echtes Berberfeuer mit Trommeln und Gesang – volles wüstes Wüstenprogamm.

Sand und Sand und Sand

Nov.′ 19 12

Wir konnten einigermaßen schlafen. Ein umfangreiches Frühstück erwartet uns, bevor wir uns wieder auf die Reise machen. Der Autopilot hält die Kutsche so toll auf 80 km/h – dass der Kptn. die erlaubten 60 km/h doch glatt übersehen hat. Wir werden angehalten und müssen gleich 150 DH (15€) abdrücken. Toll. Naja. Ab jetzt fahren wir immer 150%ig vorschriftsmäßig. Die Stadt Ait Ben Haddou steht auf dem Programm.

 

Sie wurde als Kulisse für einige Filme genutzt. Unter anderem „Gladiator“. Wunderschön. Die Stadt hat Lehmwände, die sich kaum von der Farbe der Felsen ringsherum absetzten. Sie passt total in das Bild.

Wir wandern durch die Gassen und auf den Aussichtsberg.

Weiter nach Ouarzazate zu den Altas Filmstudios. Wir werden durch viele verschiedene Filmsets geführt und müssen erraten, zu welchem Film es gehört…. wir sind nicht so gut. Aber haben dafür nun einen Haufen Filme auf unserer to-see Liste.

Die Erste findet auf Airbnb wieder ne tolle Unterkunft hinter Ouarzazate, in Tarmigte, die wir nun suchen müssen. Es ist ein bisschen wie Geocaching… wir wissen nicht, was uns erwartet. Immerhin sind die Kommentare auf Airbnb sehr positiv. Aber erstmal müssen wir den Eingang finden.

Versteckt hinter einer Moschee 🕌 in einer engen, sehr einfachen und staubigen Gasse in einem Souk, der ausschließlich aus Lehmhäusern besteht, finden wir eine große dunkle Tür, klopfen und sind mal wieder sehr positiv überrascht über diese wunderschöne Riad. Die Tür öffnet sich, dahinter lacht uns der Gastgeber an und gibt den Blick auf einen gemütlich, bunt eingerichteten Innenhof mit Oberlicht frei. Wir bekommen Minztee zum Formulare ausfüllen. Unser Zimmer ist ein Lehm/Strohaufbau auf dem Dach, direkt neben der Dachterasse. Ein wundervoller Blick über Palmen erschließt sich uns. Dies ist ein größeres Hostel, es reisen noch viele junge Leute an. Wir lernen Siri aus Berlin kennen, eine Weltenseglerin und verschnacken bei leckerem Taijin den Abend… sie entführt uns gedanklich erst in die Wüste- wir planen unseren morgigen Tag – und dann in die Karibik, wo sie auch gesegelt ist. Wie wundervoll sind manche Begegnungen.

Film und Abenteuer

Nov.′ 19 11

Wir packen schnell noch die letzten Dinge zusammen, bevor wir um 11 Uhr unseren Straßenkreuzer in Empfang nehmen. Bei jedem Ding, das wir evtl. vllt auf der Tour gebrauchen könnten, wurde das Argument vorgebracht: Wir haben ja n Auto. Das kriegen wir unter und es kommt mit.

So haben wir letztendlich 5 Taschen und einen Rucksack und 2 Wasserkanister vom Steg zu schleppen.  Vielleicht hätten wir uns doch etwas reduzieren sollen – weniger ist mehr usw…

Der Autoverleiher wartet bereits bei der Marina Office mit einem weißen Dacia Logan. Wir fahren erst noch zur Tankstelle und machen den Tank voll, dann zum Office der Autovermietung- Vertrag klar machen und bezahlen…

Dann gehts endlich los. Raus aus der Stadt und rein in die endlose Gegend von Marokko.

Je weiter wir uns von Agadir entfernen, desto schöner wird die Landschaft.

Die Straßen sind richtig gut. Der Käptn. muss nur ab und zu Eselskarren, Mofas und Fußgängern ausweichen, die sich auf der Straße tummeln – immerhin ist oftmals 100 km/h erlaubt. Die ein oder andere Herde Schafe läuft auch am Wegesrand herum.

Die Kiste hat ne gut funktionierende Klimaanlage und‘n Tempomaten – super gut.

Steppe. Berge. Serpentinen. Pinkelpause mit Pinkelüberwindung. Stehklos sind ja ok.. wenn sie sauber wären..

Bei dem Örtchen Taliouine buchen wir per Airbnb ein Zimmer. Wir finden den Ort, und auch ein verwittertes Schild am Straßenrand. Dahinter aber nur eine Sandpiste, die durch ein Flussbett führt. Wir tasten uns voran und halten auf ein Lehmhaus zu. Am Hauseingang daneben – ein Haus ohne Dach stehen Frauen und Kinder. Sie lotsen uns zum richtigen Eingang. Dort werden wir herzlich empfangen. Wir kommen in einen großen Raum mit Oberlicht, von dem Schlafzimmer, Gebetszimmer, Bad und Küche abgehen. Hier wohnt die Familie, ein Schlafraum ist für uns reserviert. Der Großvater serviert uns Minztee mit Safran, Kekse und Mandeln. Wir steigen auf die Dachterrasse und genießen einen herrlichen Ausblick. Vor Sonnenuntergang machen wir einen Spaziergang durch das Dorf, durch die Safranfelder. Man kann die Blüten nur früh morgens zwischen 5 und 7 Uhr ernten und nur zwei Wochen im Jahr. Dieses Gewürz ist etwas ganz Besonderes. Die Nachbarin kommt rüber, sie spricht fließend Englisch, und erzählt, sie sei noch nie in Europa gewesen, aber sie habe die Sprache durch englische Filme gelernt. Vielleicht kommt sie uns ja mal in Kiel besuchen. Hier im Dorf leben nur die Frauen und die Kinder und die Alten. Die Männer arbeiten und leben in der Stadt und kommen nur sehr selten nach Hause, erzählt uns der Gastgeber.

Die Gastgeberin kocht ein herrliches Tanjin- Hühnchen mit Gemüse im Tontopf – für uns. Ihre 11jährige Tochter spielt fasziniert Zauberwürfel und zeigt uns alles, was wir brauchen. Es gibt Vorsuppe und Obst zum Nachtisch… wir sind ganz selig. Das Zimmer ist bunt und gemütlich, die Betten ultrahart. Sind das Styroporblöcke? Wir bekommen dicke, weiche Wolldecken, mit denen polstern wir die Betten etwas auf.

Safran und Gelb

Nov.′ 19 10

Es herrscht hier in Agadir Volksfeststimmung. Mohammed hat Geburtstag – son Prophet…

Wir machen die Wäsche fertig und hängen sie auf. Ab morgen geht es ja auf nen Roadtripp – das Auto wird vorbei gebracht – von daher muss alles fertig werden. Wir montieren noch die Seifenschale und lackieren die Pinne. Das Ende der Pinne bekommt einen Majorelle Blue verpasst. 😉

Ein neues Boot ist angekommen. Aurelia aus Berlin – es gibt Kaffee. Wir verabreden uns für nächsten Samstag, um unsere Dieselreserven gemeinsam an der Autotankstelle aufzufüllen.

Am Abend essen wir noch Pizza mit der „SY Dimanche Matin“ – letzte Instruktionen für unsere Marokkotour werden geklärt.
Wir packen unsere Sachen und gehen früh in die Koje. Wir sind hier ja nicht zum Spaß. Morgen wird es ernst.

Road und Trip

Nov.′ 19 09

Wir schlafen unglaublich lange. Sehr lange.

Irgendwie war Marrakech anstrengend. Nur die Erste schafft es heute an Land zu gehen um ein paar Baguettes zu kaufen. Wir verfrühstücken die Stangenbrote und gammeln rum. Es fehlt er Antrieb.

Gegen Nachmittag entscheiden wir, dass es so nicht weitergehen kann… Jule bucht ein Auto für die nächsten Erkundungen – Hoffentlich auch schon mit Motor und nicht nur mit nem Esel vorne dran – wird schon klappen…

Dann müssen wir dringend mal Wäsche waschen. Den Wäscheservice wollen wir nicht nutzen – der scheint Probleme zu machen und lange zu brauchen. Wir benutzen unsere Plastikwannen und waschen 4 Waschpützen voll Wäsche. Der Kptn. muss ran. Vorwäsche kalt – Hauptwäsche (2x Wasserkocherladungen + Kaltwasser + einweichen lassen) – 3x Spülen. Und das 4x. Jetzt hat hey Spülhände und auch ganz saubere Füße, da das Spülwasser immer über den Cockpitboden gekippt wurde.

Der Wassertank wird aufgefüllt und das Deck vom Saharasand befreit.

Over und aus.

Nov.′ 19 08

Das Frühstück bis 10.30h schaffen wir nur knapp.

Noch schnell einmal duschen, bevor wir in die Duschwüste Agadir zurückfahren.

Einen Programmpunkt haben wir noch auch dem Marrakesch-Zettel, bevor unser CTM Bus um 1430h Richtung Agadir aufbricht. Der Jardins Majorelle soll sehr sehr schön sein. Ein Taxi bringt uns dorthin. Die Menschenschlangen sind 100 Meter lang. Es scheint, dass wir es zeitlich nicht mehr schaffen, aber die Erste macht wohl so ein trauriges Gesicht, dass wir es über die Reservierungskasse schaffen, ein Tagesticket für „jetzt gleich“ zu bekommen – jedenfalls sind wir drin.

Wir sind nicht allein, aber es lohnt sich trotzdem und wir können den Park genießen. Die knalligen Farben machen den Kaptn. ganz huschig – vor allem der Blauton (Majorelle – Blau) ist verrückt und brennt sich in die Gehirnwindungen ein. Der Kptn. kauft gleich erstmal n „Pott-Farf“ von dem Zeuchs. Das lässt sich bestimmt irgendwo an der Røde Orm anwenden. Die Erste will zwar lieber Muschelkettchen basteln und die Farbe für die Muscheln verwenden, aber darüber ist das letzte Wort noch nicht verhandelt – äh – gesprochen.

Unser „Gerbertaxifahrer“ – echt!!! – der von gestern – gabelt uns zufällig auf und bringt uns zu der CTM Station.

3 Std. im klimatisierten Bus – ein bisschen Schlaf – sehr entspannend.

Der Taxifahrer in Agadir will uns für 100 Dh vom Busbahnhof zum Hafen bringen, wir verdrehen nur die Augen und gehen weg… 20 – 30 Dh ist der Preis (je nach Verkehrslage) – mehr geht natürlich immer. Son bisschen nerven diese ständigen Preisverhandlungen schon…

Mit dem letzten Licht landen wir in den Kojen.

Blau und aus.

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