asdf
Aug.′ 03 03

Der Steg war fast nicht mehr zu sehen, wir hatten alle Dinge, die man so für drei Wochen für eine fünfköpfige Crew zum Segeln braucht vorm Boot gestapelt. Die Spaziergänger am Ufer schlossen schon Wetten ab, wann die Wasserlinie unserer Hurley 20 wohl versinken wird, als wir begannen, alles durch das Vorderluk zu stopfen.

Doch es ist immer wieder wie ein Wunder, letztendlich passt alles hinein, alles bekommt seinen Platz in unzähligen Bakskisten, die dieses Schiff zu bieten hat. Zum Schluss kam die Crew an Bord: Skipper Stefan, unsere beiden Töchter Lena (9 Jahre) und Annika (5 Jahre), unser Beagle Toke und ich, anerkannte Skippine an Bord.

Wir legten in der windgeschützten Schwentine ab und setzten erst mal nur die Fock, da es in der Kieler Förde mit 5 Windstärke blies. Auf der Höhe von Laboe flaute der Wind plötzlich ab, so dass unser Ziel, es am ersten Tag bis Langeland zu schaffen, utopisch wurde. Wir machten in Marina Wendtorf fest und beschlossen, es am nächsten Tag zu versuchen.

Dieser begrüßte uns am Morgen mit 2-3 Windstärken aus Südwest. Wir legten um 10 Uhr ab und setzten Genua und Groß segelten so mit wenig Welle nach Langeland, Zielhafen war Spodsbjerg. Gegen 18 Uhr hatten wir Langeland backbord und der Wind flaute ab, also musste für den Rest der Fahrt unser getreuer Motor herhalten. Um 22 Uhr machten wir in Spodsbjerg fest. Die letzten zwei Stunden waren ziemlich hart, nicht nur für die Kinder, deren Bewegungsdrang auf dem Boot ja stark eingeschränkt werden muss, sondern vor allem auch für den Hund, der zum Schluß doch ein wenig hektisch hin und her lief, sich aber nicht dazu bewegen ließ, aufs Vorschiff zu pinkeln, geschweige denn in einen Eimer.

Alle waren glücklich, als wir in Spodsbjerg anlegten und dort auch noch einen Spielplatz vorfanden. Am nächsten Tag segelten wir bei 4 Windstärken mit Wind aus Südwest unter der Fock bei 4,5 Knoten – was für unser Schiff unglaublich viel ist – nach Vejrö, eine kleine Insel, die uns ein Freund empfohlen hatte. Es lagen nur 6 Boote im Hafen, Grillplätze, ein riesiger Spielplatz und ein Dusch- und Klohaus, das aber überwiegend von Spinnen bewohnt wurde. Nach einem Spaziergang über die Insel – das Dorf bestand aus fünf Häuschen und einem Friedhof – machten wir es uns am Grill bequem und genossen den Abend. Bis uns unser erster Regenguss unter Deck trieb.

Geweckt wurden wir an unserem dritten Tag von Regen und Sturm. Wir wollten aber weiter und warteten so ab, bis das Tief direkt über uns war, und der Wind nachließ. Dann liefen wir aus, setzten die Fock und ritten auf den Wellen mit Wind von achtern mit 5-6 Knoten dahin. Toke hatte sich auf der Insel unzählige Zecken zugezogen, die wir ihm im Cockpit erst mal alle herauszogen. Gar nicht so einfach bei so einem Wellengang. Dann verkroch sich der Hund unter Deck und wir vier saßen in voller Regenmontur im Cockpit. Schlafend, singend, die Sonne beschwörend, den Horizont nach Land absuchend verbrachten wir so fast fünf Stunden. Der Hafen in Vordingborg war ziemlich voll, doch schließlich fanden wir noch eine Box, sogar mit achterlichem Wind, vor dem uns unsere Kuchenbude bestens schützen konnte. Jetzt legten wir einen Hafentag ein, an dem wir die Stadt besichtigten, die Ruine der Vordingborg mit Gänseturm und Waschmaschine und Trockner nutzten. Außerdem wurde unser Heizlüfter angestellt, um das Schiff mal gründlich durchzutrocknen.

Wir fuhren auch am nächsten Tag nur 9 Meilen bis nach Stubbeköbing. Da unsere Dierk uns langsam verließ, besuchten wir den dortigen Jachthandel. Lena und Annika pumpten das Schlauchboot auf und paddelten den ganzen Nachmittag im Hafenbecken herum.

Mit Wind von achtern – aus Nordwest – und Windstärke 4 sausten wir am nächsten Tag nach Mön. Blauer Himmel, endlich wieder freie Sicht auf den Horizont und 4-5 Knoten. Es war ein wunderschöner Segeltag. An der Hafeneinfahrt von Klintholm lotste uns die Hafenmeisterin gleich in die einzig noch freie Box, in die sonst keiner reinpasste, weil sie ziemlich schmal und flach war. Für uns war sie perfekt: direkt am Spielplatz und am Klohaus. Zum Abendbrot gab es Hot Dog und Pommes, Lena und Annika Kinder fanden schnell Freunde unter den vielen Kindern, die hier herumtobten.

Aufgrund der guten Wetterprognosen nahmen wir unser ursprüngliches Ziel Bornholm wieder in Augenschein. Doch von Klintholm überzusetzen hieße, die Nacht durchsegeln zu müssen, was wir Toke nicht antun wollten. Blieb also nur ein Zwischenstopp in Schweden. Alle nötigen Papiere für den Hund hatten wir besorgt, es fehlte nur noch eine Wurmkur, die unmittelbar vor der Einreise nach Schweden dem Hund von einem Tierarzt verabreicht werden musste. Wir legten einen Hafentag ein, und fuhren mit dem Bus nach Stege zum nächsten Tierarzt. Dort bekamen wir Wurmkur und Unterschrift. Nun stand einer Überfahrt nach Schweden nichts mehr im Wege.

Am nächsten Morgen haben Stefan und ich abgelegt, bevor die Kinder aufwachten. Wir hatten 2-3 Windstärken und gute Sicht. Als wir auf der Höhe der Kreidefelsen waren, kamen die Kinder gähnend an Deck, um sich diesen Anblick nicht entgehen zu lassen. Hier holen die Lehrer also immer die Kreide her. Der Wind ließ immer wieder nach, so dass ab und zu der Motor einspringen musste. Vor allem als wir in das Verkehrskreuz kamen und auf den Frachtverkehr achten mussten. Durch die hohen Kreidefelsen sah man Mön noch ziemlich lange. Spannend wurde es, als wir frech in Trelleborg in den Fährhafen einliefen, obwohl wir gehört hatten, dass Sportboote dort nicht einlaufen dürfen. Aber wir brauchten einen Einreisegenehmigungsstempel vom Zoll für den Hund, daher steuerten wir Trelleborg an. Wir machten zwischen den riesigen Fähren fest, und sogleich kam ein Securitymann angefahren und fragte uns, was wir wollten. Wir zeigten ihm die Papiere und er lud uns in sein Auto, und brachte uns direkt zur Zollstation. Dort bekamen wir den Stempel und den Rat, über Nacht lieber im benachbarten Sportboothafen in Gislovsläge festzumachen. Also drängten wir uns zwischen den Fähren aus dem Hafen heraus und fuhren noch die 2 Seemeilen nach Gislovsläge, wo sich die beiden Kinder und der Hund an Land austobten. Lena und Annika holten die Kescher aus den Bakskisten und kescherten Krebse. Anschließend gab es das ultimative Krebswettrennen, die Krebse wurden freigelassen und es wurden Wetten abgeschlossen, wer der schnellste sei. Abends waren wir ziemlich müde und schliefen schnell ein.

Unser erster Tag in Schweden begann mit Sonnenschein und leckerem schwedischem Polarbrot. Eigentlich wollten wir bis Kåseberga fahren, um dann am nächsten Tag den Schlag nach Bornholm zu schaffen, aber nach etwa 5 Meilen blauem Himmel mit 3 Windstärken aus West (wieder mal achterlich), baute sich vor uns eine schwarze Gewitterfront auf. Querab lag ein kleiner Hafen, also drehten wir bei und liefen dort, in Smygehuk, ein. Es stellte sich heraus, das dies die südlichste Landzunge Schwedens war. Daher war der Hafen ein beliebtes Ausflugsziel mit vielen Touris. Wir reihten uns da ein und besichtigten das Museum, einen begehbaren Kalkbrennofen und den Leuchtturm. Oben auf dem Leuchtturm, als wir über das Wasser blickten sagte Annika: „Jetzt kann ich die ganze Welt sehen!“. Am Steinstrand gingen wir auf die Suche nach Lochsteinen und kletterten in die Bunker, die dort standen.

Am nächsten Morgen wurden wir von hochblubbernden Algeninseln im Hafenbecken geweckt. Sie kündigten sich mit Luftblasen an der Oberfläche an und plötzlich schwappte eine Algeninsel von einem halben Meter Durchmesser neben uns auf. Nicht sehr einladend.

Bei Sonnenschein und 2-3 Windstärken legten wir ab und setzten, kaum waren wir draußen, den Spinnaker. Wir wollten eigentlich noch einmal in Schweden festmachen, bevor wir den Schlag nach Bornholm wagen wollten, das Wetter war jedoch zu gut dazu. Also beschlossen wir, durchzusegeln. Es war unglaublich, Wir segelten acht Stunden mit Spi, fünf Knoten Fahrt. Stefan warf die Angel raus und fing prompt einen Hornhecht. Das war eine Aufregung, als der Fisch im Cockpit lag. Selbst Toke war das etwas suspekt. 10 Meilen vor Hasle, der für uns dichteste Bornholmhafen, flaute der Wind dermaßen ab, dass wir auf den Motor umsteigen mussten. Um 22 Uhr, nach 48 Meilen (unser Rekord für dieses Jahr), machten wir in Hasle fest. Ein großes Lob an die Crew, die die Triptime von 11 Stunden mit Harry Potter, Quartett spielen, schlafen, singen, angeln und Kassette hören gemeistert hat.

Wie gut, dass wir durchgefahren sind, war unser erster Gedanke am nächsten morgen. Der Wind blies mit 5-6 Windstärken, da wären wir nie hier angekommen. Wir legten einen Hafentag ein. Im Ort war ein großes Straßenfest, mit Karussell und Livebands. Ansonsten war der Ort ziemlich klein, in einer Stunde hatten wir ihn umrundet. Die Fußgängerzone bestand aus zwei Supermärkten, einer Bank und einem Schuhladen. Ist nichts mit groß bummeln gehen. Den Nachmittag nutzten wir, um unsere Kuchenbude zu ende zu imprägnieren, beim letzten Mal reichte das Imprägniermittel nicht aus, so dass bei Regen immer ein Streifen undicht war. Beim Pinseln strich Stefan gleich ein Handtuch mit ein, das zum Trocknen draußen hing. Wie praktisch jetzt kann es auch nicht mehr nass werden.

Der Sonntag begrüßte uns mit weniger Wind, so dass wir beschlossen, auszulaufen. Einmal um die Insel wollten wir segeln, wir liefen die Nordspitze an. Nach 8 Meilen entdeckten wir die Burgruine Hammershus auf den Klippen, die wir unbedingt ansehen wollten. Am Ufer lag ein kleiner verwunschener Hafen – dachten wir – den wollten wir anlaufen. Um die Kaimauer gelugt, stellte sich heraus, dass dieser Hafen ein Touristenausflugsziel war.. Reisebusse und jede Menge Badegäste. Wir reihten uns da ein und sprangen selber erst mal ins wunderbar klare Wasser. Anschließend machten wir uns auf dem Weg zur Burgruine. Ein Trampelpfad führte vom Hafen dorthin, durch dichten Wald, vorbei an steilen Klippen mit verwunschenen Buchten. Die Burgruine aus dem 16. Jahrhundert war riesig und für ihr Alter gut erhalten. Man konnte sich wunderbar vorstellen, wo früher die Trinkgelage stattfanden, wo die Schlafräume waren und wo die Verließe. Wir erfuhren von den Infotafeln, dass man täglich 8 Liter Bier trank, da das Essen so salzig war. Na denn Prost Mahlzeit. Der nächste Tag war windstill und ziemlich heiß, wir beschlossen schnell abzulegen, damit uns der Fahrtwind wenigstens ein bisschen abkühlt.

Schließlich zogen wir Groß und Genua hoch, mehr als Schattenspender denn als Antriebskraft. Mit 2 Knoten dümpelten wir bis Gudjem, auf der Ostseite Bornholms. Der Südhafen war vollkommen überfüllt, also wichen wir in den Nordhafen aus, der umgeben von Felsinseln und Steinmauer ziemlich urig und gemütlich war. Auf Bornholm ist der Busverkehr sehr gut ausgebaut, man kann die ganze Insel für wenig Geld mit dem Bus entdecken. So stiegen wir in den nächsten und erkundeten das Mittelalterzentrum auf der Insel. Begleitet von Ritterkämpfen, Gauklern und Mönchsgesängen genossen wir dort Würstchen mit Mittelaltersenf, kandierte Äpfel, gebrannte Mandeln und geräucherten Fisch, Bier und Apfelsaft. Toke bekam Mittelalterliches Wasser aus einem Bierglas von den Mönchen spendiert.

Bornholm gilt als die Insel mit den meisten Sonnentagen. Das können wir nur bestätigen. Wir wachten wieder bei blauem Himmel und unglaublicher Hitze auf. Bei Flaute legten wir ab. Kurzzeitig zeigte sich eine kleine Gewitterwolke, die kein Gewitter, aber ein bisschen Wind brachte. So segelten wir doch noch mit 4 Knoten. Lena hatte sich Listed als Hafen ausgesucht, der Sejlerens kündigte dort einen Spielplatz an, die sonst in den Häfen in dieser Ecke eher rar gesät sind. Listed soll man genau bei 202 Grad anlaufen, weil davor Felsen im Wasser sind. Der Hafenmeister lotste uns gleich an einen Platz an der Kaimauer. Als er sah, dass wir zwei Kinder an Bord hatten, gab er uns einen anderen Platz, der näher am Toilettenhaus lag, womit er unsere Grundbedürfnisse schnell durchschaut hatte. Wir waren ihm dankbar, hatte er uns damit doch vor unzähligen Diskussionen („ich muß so dringend, ich schaff das nicht zum Klo, ich will auf den Eimer pinkeln!!“) bewahrt. Nachdem wir das Boot umgelegt hatten, fuhren wir mit dem Bus nach Svaneke und besuchten dort die Bonbonfabrik. Abends grillten wir mit Blick auf die scherenähnlichen Felsen im Meer. Was für ein Traum.

Auf Bornholm gibt es einen Vergnügungspark für Kinder, das Joboland. Das wollten wir unseren Kindern natürlich nicht vorbehalten, und so legten wir noch einen Hafentag ein, stiegen in den Bus und fuhren ins Joboland. Im Gegensatz zu den Vergnügungsparks in Deutschland konnte man hier viel mehr selber machen, es gab einen großen Hindernisparcours durch den Wald, auf dem man klettern, hangeln, balancieren und springen musste, man konnte Ruderboot fahren, mit einer Riesenseilbahn und mit einer Achterbahn, die alleine durch die Schwungkraft in Fahrt kam. Außerdem gab es ein Bäderland mit unzähligen Rutschen und einen Streichelzoo. Eben ein Wunderland für Kinder. Wir fuhren am nächsten Tag nach Snogebaek. 2-3 Windstärken, blauer Himmel. Der Hafen in Snogebaek ist mit einer langen Brücke mit dem Festland verbunden und ziemlich klein. Unser Boot fand zwischen den Fischerbooten gerade noch Platz. Wir gönnten uns ein hervorragendes Fischessen in der Fischräucherei. Anschließend machten wir einen langen Spaziergang an den legendären breiten Sandstränden, die sich zur Südspitze Bornholms erstrecken. Lena und Annika bauten eine Sandburg, die sich mit dem feinen weißen Sand ziemlich gut modellieren ließ. Am nächsten Tag mussten wir durchsegeln bis Rönne. Dort wurden wir von zwei Freunden erwartet, die mich und die Kinder ablösen wollten. Diesmal hatten wir den Wind aus der falschen Richtung. Doch erst mal mussten wir uns aus dem Hafen rauspuzzlen, in der Hafeneinfahrt hatte nämlich ein Fischerboot festgemacht. Wir passten noch gerade so eben durch, 10 cm Platz an jeder Seite. Draußen frischte der Wind auf. Wir mussten 22 Meilen gegenan motoren. Die Wellen wurden höher, so dass wir bei Vollspeed 1-2 Knoten Fahrt machten. Wir nahmen die Abkürzung durch das Sperrgebiet, die Fischer in Snogebaek hatten uns dafür grünes Licht gegeben. Nach sechseinhalb Stunden Fahrt legten wir in Rönne an. Alles war salzig und feucht von Spritzwasser. Wir waren ziemlich müde.

Unseren letzten Tag an Bord beschlossen wir mit einem kleinen Grillfest. Peter und Michael, zwei Freunde kamen an Bord und ich fuhr mit Lena, Annika und Toke wieder aufs Festland, wo unser Auto stand. Wehmütig verließen wir die Insel, es war wieder mal ein traumhaft schöner Segelurlaub. Allerdings war die Route nicht ganz so kinderfreundlich, wie wir es von der dänischen Südsee gewohnt waren. Es gab nur wenig Spielplätze und nur wenig Segler mit kleinen Kindern an Bord. Auf Bornholm wurden wir ziemlich schief angeguckt, Deutsche mit so kleinen Booten waren hier sehr selten, die Yachten, die außer uns noch die deutsche Flagge führten, waren alle doppelt so lang wir unsere Hurley. Doch sie hat uns auch dieses Jahr wieder sicher über die Ostsee gebracht. Stefan, Michael und Peter hatten zwei Wochen Zeit, das Boot wieder nach Kiel zu segeln. Sie segelten fast die gleiche Strecke zurück und hatten guten Wind. Als sie wieder in der Schwentine ankamen und das Schiff ausluden, war der Steg fast nicht mehr zu sehen. Irgendwie war der Krempel nicht weniger geworden in den fünf Wochen.

Julia Conrad

Einen Kommentar schreiben

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen