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Okt.′ 11 22

Heute ist Wandertag. Madeira muss bewandert werden, andere Segler haben extra für diesen Zweck aus dem fernen Deutschland dicke Wanderschuhe mitgebracht. Also Rucksäcke gepackt und ab in den Bus. Dort gibt es auch erst Frühstück, sonst kommen wir ja nie los. Der Bus fährt in einem Affenzahn die Berge und steilen Kurven hoch. Schließlich sind wir die einzigen im Bus. Bevor uns der Busfahrer in die Berge entlässt, erzählt er uns genau, wo wir wandern müssen und wann der letzte Bus zurück fährt.

Wir also raus. Gelandet sind wir in Jardim da Serra, einem kleinen Bauerndorf am Berghang. Wir laufen die steile Straße hinauf, vorbei an süßen Häuschen, bunt bemalt, um sich herum einen riesen Garten mit Weinpflanzen. Der Weg geht sehr steil hinauf und weit und breit ist kein Wanderweg zu sehen, nur Asphaltstraße. Da hält neben uns ein Taxi und zeigt mit einem fragenden Blick gen Oben. Wir nicken und steigen ein.

So gelangen wir doch tatsächlich völlig ungeplant zu einer Bergkuppe: Boca da Corrida, an der ein Wanderweg beginnt.

Wir denken, nunja, ist ja ein bisschen geschummelt, das Taxi zu nehmen, sehen einen kleinen Hügel, erklimmen diesen per Pedes und freuen uns über unsere Leistung. Doch von dort sehen wir den echten Wanderweg. Wir wagen uns zum Schild vor: 12,6 km nach Encumeada. Darunter ein kleines Schild: Gefährlich, Nicht durchgehen. Hm. Aber der Weg sieht so nett aus. Außerdem laufen da noch andere drauf rum. Also wir wagen es bis zur nächsten Kurve. Boah sieht ja nett aus. Ach komm, noch zur nächsten Kurve. Diese Aussicht! Und ein befestigter Weg. Mal sehen, was hinter der nächsten Kurve ist. Und da sind immer die Meter zu lesen, die man schon geschafft hat. 1265 Meter. Wir begegnen vier deutschen Wanderfrauen und fragen, wie man weiterkommt. Sie sagen, so 40 min., dann würde es auf die Spitze weitergehen, die wär nichts für die Kinder. Aber wenn man da geradeaus weitergeht, kommt man vielleicht ins Dorf. Der Weg sieht gut aus, wir sind fasziniert von den Bergen. Also weitergestiefelt. Julita hat ihren Wanderstock, den sie in Santiago de Compostella gekauft hatte, mitgenommen. Er leistet ihr gute Dienste. Wir marschieren über den Gipfel, wieder hinunter, am Berg entlang, über einen Kamm zum nächsten Berg. Boh ist der riesig. Und das Dorf da unten sieht aus wie bei Märklin. Es finden sich auch kleine Wasserfälle. Keine Adler und Bären, dafür aber Beeren. Die brommigen. Der Weg wird erst nach 6843m schlecht. Steil. Abgebrochen. Trampelpfad an tiefer Schlucht ins Tal. Der Käptn voraus, Matrosinnen hinterher, erste Offiziöse bildet das Schlusslicht. Die Sache wird uns zu heikel. Wenn man denkt, man muss reffen, muss man reffen. Also muss man auch umdrehen, wenn man daran denkt. Grummel. Also umdrehen. 6 km zurück. Aber der Rückweg ist leichter. Wir freuen uns geradezu, als der Weg wieder normal wird. Die Füße müssen nicht den festen Boden suchen, er ist einfach da. Die Beine laufen von alleine, als würde der Weg unter den Füßen laufen. Wir sind über den Wolken. Über uns blauer Himmel, unter uns Wolke. Annika zeigt sich als Wandergenie und geht großen Schrittes voraus. Wir rufen uns zu, und der Berg hallt mit. Irgendwann sitzt sie doch tatsächlich auf einem Stein, der die herrliche Zahl 748 anzeigt. Wir sind gleich da. Torkeln die letzten Meter. Julita ruft: „Mama, Papa, guck mal was ich hier mach!“  „Was machst du denn da?“ „Ich sitze!! Ich kann es kaum glauben!“

Es ist ein bisschen wie die Überfahrt nach Madeira. Wenn man den Weg einmal eingeschlagen hat, muss man da eben durch. Bis man da ist. Kein Aufgeben möglich.

Wir ordern ein Taxi und lassen uns bis zur Marina bringen. Dort haben Tamora und Sophie schon den Grill angeworfen. Dankbar setzt sich ein Teil der Crew dazu.

Die erste Offiziöse schläft schon mal vor. Als die Matrosinnen wiederkommen, glaubt sie zu träumen, als sie ernsthaft gefragt wird: Wollen wir morgen wieder wandern? Den Rest der Insel erforschen? Doch der Käptn bestätigt den Wahrheitsgehalt dieser Frage. Tamora und die beiden Schweden gehen morgen wandern. Die Kinder wollen unbedingt mit. Nungut. Soll auch ganz leicht sein. Und nur 11 km – Waagerecht.

Over und aus.

3 Antworten zu “Bewandert”

  1. Marianne Poppe sagt:

    Ich sag nur Erlacherhütte und die Erinnerungen kommen wieder. Damals war es ein trecker der eine Falkenbande die letzten Meter auf die Erlacherhütte nahm,
    Toll die Wanderung, und Annika war nicht nur beim Radfahren ausdauernd sondern auch beim Laufen.

  2. Smin sagt:

    @Mianne Trecker oder Taxi. Beides mit T. Unser Taxi klapperte auch Treckerähnlich.

  3. Fußmarsch sagt:

    Na na, Taxi fahren ist aber kein Wandern 😉
    Nee, ist schon richtig, das Ziel ist ja nicht, sich zu quälen. Hübsche Fotos.

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