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Nov.′ 19 12

Wir konnten einigermaßen schlafen. Ein umfangreiches Frühstück erwartet uns, bevor wir uns wieder auf die Reise machen. Der Autopilot hält die Kutsche so toll auf 80 km/h – dass der Kptn. die erlaubten 60 km/h doch glatt übersehen hat. Wir werden angehalten und müssen gleich 150 DH (15€) abdrücken. Toll. Naja. Ab jetzt fahren wir immer 150%ig vorschriftsmäßig. Die Stadt Ait Ben Haddou steht auf dem Programm. Sie wurde als Kulisse für einige Filme genutzt. Unter anderem „Gladiator“. Wunderschön. Die Stadt hat Lehmwände, die sich kaum von der Farbe der Felsen ringsherum absetzten. Sie passt total in das Bild.

Wir wandern durch die Gassen und auf den Aussichtsberg.

Weiter nach Ouarzazate zu den Altas Filmstudios. Wir werden durch viele verschiedene Filmsets geführt und müssen erraten, zu welchem Film es gehört…. wir sind nicht so gut. Aber haben dafür nun einen Haufen Filme auf unserer to-see Liste.

Die Erste findet auf Airbnb wieder ne tolle Unterkunft hinter Ouarzazate, in Tarmigte, die wir nun suchen müssen. Es ist ein bisschen wie Geocaching… wir wissen nicht, was uns erwartet. Immerhin sind die Kommentare auf Airbnb sehr positiv. Aber erstmal müssen wir den Eingang finden.

Versteckt hinter einer Moschee 🕌 in einer engen, sehr einfachen und staubigen Gasse in einem Souk, der ausschließlich aus Lehmhäusern besteht, finden wir eine große dunkle Tür, klopfen und sind mal wieder sehr positiv überrascht über diese wunderschöne Riad. Die Tür öffnet sich, dahinter lacht uns der Gastgeber an und gibt den Blick auf einen gemütlich, bunt eingerichteten Innenhof mit Oberlicht frei. Wir bekommen Minztee zum Formulare ausfüllen. Unser Zimmer ist ein Lehm/Strohaufbau auf dem Dach, direkt neben der Dachterasse. Ein wundervoller Blick über Palmen erschließt sich uns. Dies ist ein größeres Hostel, es reisen noch viele junge Leute an. Wir lernen Siri aus Berlin kennen, eine Weltenseglerin und verschnacken bei leckerem Taijin den Abend… sie entführt uns gedanklich erst in die Wüste- wir planen unseren morgigen Tag – und dann in die Karibik, wo sie auch gesegelt ist. Wie wundervoll sind manche Begegnungen.

Film und Abenteuer

Nov.′ 19 11

Wir packen schnell noch die letzten Dinge zusammen, bevor wir um 11 Uhr unseren Straßenkreuzer in Empfang nehmen. Bei jedem Ding, das wir evtl. vllt auf der Tour gebrauchen könnten, wurde das Argument vorgebracht: Wir haben ja n Auto. Das kriegen wir unter und es kommt mit.

So haben wir letztendlich 5 Taschen und einen Rucksack und 2 Wasserkanister vom Steg zu schleppen.  Vielleicht hätten wir uns doch etwas reduzieren sollen – weniger ist mehr usw…

Der Autoverleiher wartet bereits bei der Marina Office mit einem weißen Dacia Logan. Wir fahren erst noch zur Tankstelle und machen den Tank voll, dann zum Office der Autovermietung- Vertrag klar machen und bezahlen…

Dann gehts endlich los. Raus aus der Stadt und rein in die endlose Gegend von Marokko.

Je weiter wir uns von Agadir entfernen, desto schöner wird die Landschaft.

Die Straßen sind richtig gut. Der Käptn. muss nur ab und zu Eselskarren, Mofas und Fußgängern ausweichen, die sich auf der Straße tummeln – immerhin ist oftmals 100 km/h erlaubt. Die ein oder andere Herde Schafe läuft auch am Wegesrand herum.

Die Kiste hat ne gut funktionierende Klimaanlage und‘n Tempomaten – super gut.

Steppe. Berge. Serpentinen. Pinkelpause mit Pinkelüberwindung. Stehklos sind ja ok.. wenn sie sauber wären..

Bei dem Örtchen Taliouine buchen wir per Airbnb ein Zimmer. Wir finden den Ort, und auch ein verwittertes Schild am Straßenrand. Dahinter aber nur eine Sandpiste, die durch ein Flussbett führt. Wir tasten uns voran und halten auf ein Lehmhaus zu. Am Hauseingang daneben – ein Haus ohne Dach stehen Frauen und Kinder. Sie lotsen uns zum richtigen Eingang. Dort werden wir herzlich empfangen. Wir kommen in einen großen Raum mit Oberlicht, von dem Schlafzimmer, Gebetszimmer, Bad und Küche abgehen. Hier wohnt die Familie, ein Schlafraum ist für uns reserviert. Der Großvater serviert uns Minztee mit Safran, Kekse und Mandeln. Wir steigen auf die Dachterrasse und genießen einen herrlichen Ausblick. Vor Sonnenuntergang machen wir einen Spaziergang durch das Dorf, durch die Safranfelder. Man kann die Blüten nur früh morgens zwischen 5 und 7 Uhr ernten und nur zwei Wochen im Jahr. Dieses Gewürz ist etwas ganz Besonderes. Die Nachbarin kommt rüber, sie spricht fließend Englisch, und erzählt, sie sei noch nie in Europa gewesen, aber sie habe die Sprache durch englische Filme gelernt. Vielleicht kommt sie uns ja mal in Kiel besuchen. Hier im Dorf leben nur die Frauen und die Kinder und die Alten. Die Männer arbeiten und leben in der Stadt und kommen nur sehr selten nach Hause, erzählt uns der Gastgeber.

Die Gastgeberin kocht ein herrliches Tanjin- Hühnchen mit Gemüse im Tontopf – für uns. Ihre 11jährige Tochter spielt fasziniert Zauberwürfel und zeigt uns alles, was wir brauchen. Es gibt Vorsuppe und Obst zum Nachtisch… wir sind ganz selig. Das Zimmer ist bunt und gemütlich, die Betten ultrahart. Sind das Styroporblöcke? Wir bekommen dicke, weiche Wolldecken, mit denen polstern wir die Betten etwas auf.

Safran und Gelb

Nov.′ 19 10

Es herrscht hier in Agadir Volksfeststimmung. Mohammed hat Geburtstag – son Prophet…

Wir machen die Wäsche fertig und hängen sie auf. Ab morgen geht es ja auf nen Roadtripp – das Auto wird vorbei gebracht – von daher muss alles fertig werden. Wir montieren noch die Seifenschale und lackieren die Pinne. Das Ende der Pinne bekommt einen Majorelle Blue verpasst. 😉

Ein neues Boot ist angekommen. Aurelia aus Berlin – es gibt Kaffee. Wir verabreden uns für nächsten Samstag, um unsere Dieselreserven gemeinsam an der Autotankstelle aufzufüllen.

Am Abend essen wir noch Pizza mit der „SY Dimanche Matin“ – letzte Instruktionen für unsere Marokkotour werden geklärt.
Wir packen unsere Sachen und gehen früh in die Koje. Wir sind hier ja nicht zum Spaß. Morgen wird es ernst.

Road und Trip

Nov.′ 19 09

Wir schlafen unglaublich lange. Sehr lange.

Irgendwie war Marrakech anstrengend. Nur die Erste schafft es heute an Land zu gehen um ein paar Baguettes zu kaufen. Wir verfrühstücken die Stangenbrote und gammeln rum. Es fehlt er Antrieb.

Gegen Nachmittag entscheiden wir, dass es so nicht weitergehen kann… Jule bucht ein Auto für die nächsten Erkundungen – Hoffentlich auch schon mit Motor und nicht nur mit nem Esel vorne dran – wird schon klappen…

Dann müssen wir dringend mal Wäsche waschen. Den Wäscheservice wollen wir nicht nutzen – der scheint Probleme zu machen und lange zu brauchen. Wir benutzen unsere Plastikwannen und waschen 4 Waschpützen voll Wäsche. Der Kptn. muss ran. Vorwäsche kalt – Hauptwäsche (2x Wasserkocherladungen + Kaltwasser + einweichen lassen) – 3x Spülen. Und das 4x. Jetzt hat hey Spülhände und auch ganz saubere Füße, da das Spülwasser immer über den Cockpitboden gekippt wurde.

Der Wassertank wird aufgefüllt und das Deck vom Saharasand befreit.

Over und aus.

Nov.′ 19 08

Das Frühstück bis 10.30h schaffen wir nur knapp.

Noch schnell einmal duschen, bevor wir in die Duschwüste Agadir zurückfahren.

Einen Programmpunkt haben wir noch auch dem Marrakesch-Zettel, bevor unser CTM Bus um 1430h Richtung Agadir aufbricht. Der Jardins Majorelle soll sehr sehr schön sein. Ein Taxi bringt uns dorthin. Die Menschenschlangen sind 100 Meter lang. Es scheint, dass wir es zeitlich nicht mehr schaffen, aber die Erste macht wohl so ein trauriges Gesicht, dass wir es über die Reservierungskasse schaffen, ein Tagesticket für „jetzt gleich“ zu bekommen – jedenfalls sind wir drin.

Wir sind nicht allein, aber es lohnt sich trotzdem und wir können den Park genießen. Die knalligen Farben machen den Kaptn. ganz huschig – vor allem der Blauton (Majorelle – Blau) ist verrückt und brennt sich in die Gehirnwindungen ein. Der Kptn. kauft gleich erstmal n „Pott-Farf“ von dem Zeuchs. Das lässt sich bestimmt irgendwo an der Røde Orm anwenden. Die Erste will zwar lieber Muschelkettchen basteln und die Farbe für die Muscheln verwenden, aber darüber ist das letzte Wort noch nicht verhandelt – äh – gesprochen.

Unser „Gerbertaxifahrer“ – echt!!! – der von gestern – gabelt uns zufällig auf und bringt uns zu der CTM Station.

3 Std. im klimatisierten Bus – ein bisschen Schlaf – sehr entspannend.

Der Taxifahrer in Agadir will uns für 100 Dh vom Busbahnhof zum Hafen bringen, wir verdrehen nur die Augen und gehen weg… 20 – 30 Dh ist der Preis (je nach Verkehrslage) – mehr geht natürlich immer. Son bisschen nerven diese ständigen Preisverhandlungen schon…

Mit dem letzten Licht landen wir in den Kojen.

Blau und aus.

Nov.′ 19 07

Die Nacht war klanglich bunt. Die anderen Gäste- Italiener- haben noch lange und lautstark auf der Dachterasse gefeiert. Da unser Zimmer keine Fensterscheiben zum Innenhof hat, haben wir akustisch gesehen, daneben gesessen. Als dort endlich Ruhe einkehrte, begann der Käptn wohlig zu schnarchen. Mit dem Trick der Ersten, ihn laut zu rufen, wurde der Käptn wieder ruhig, aber es schallte aus dem Flur ein italienischer Schnarchbass. Die Erste las sich in den Schlaf, bis sie bei Sonnenaufgang von Muezzingesängen geweckt wurde, die über Lautsprecher von sämtlichen Moscheetürmen von Marrakech erklangen.

Dem schloss sich der Hahn an. Um 8 Uhr stand die Erste dann resigniert auf und ging duschen. Man muss die guten Duschen nutzen, solange sie da sind… die im Hafen sind nämlich nicht zu gebrauchen.

Frühstück gab’s auf dem Dach, das versöhnte die Nacht. Lecker warme Pfannkuchen mit Pfefferminztee. Das besondere an unserem Hostel und wahrscheinlich auch den meisten anderen Häusern in den Gassen: Das Haus hat keine Fenster. Die Räume bekommen ihr Licht von oben über die Dachterrasse, die Fenster (vergitterte Öffnungen mit Läden) der Räume gehen also nach innen zu einer Art Innenhof oder Treppenhaus oder Lichtschacht… es gibt bestimmt einen Begriff dafür.

Dann wandern wir los. Durch die Gassen zum nahe gelegenen Palais Bahia. Tourischlagen und saftige Eintrittspreise, aber wir werden belohnt.

Die Muster an den Decken, Wände und Böden sind unglaublich schön. Besonders die Bögen in den Durchgängen haben es dem Kptn. angetan. Unbeschreiblich (s. Fotos).

Ein Paar aus Köln gibt uns den Tipp, doch in das Gerberviertel (Bab Debagh) zu fahren…. Gesagt – getan. Wir gehen wieder an den Rand der Médina und lassen uns einmal um den Pudding fahren. Der Taxifahrer bereitet uns innerlich auf heftigste Gerüche vor… Am Eingang des Gerberviertels werden wir von einem Guide empfangen. Der Preis wird vorher geregelt (wie immer – sehr wichtig). Wir bekommen ein Büschel Minze in die Hand gedrückt um unsere Nase zu entlasten. Es hilft gut. Besonders die Ammoniakwannen in dem die Felle eine Woche liegen sind geruchstechnisch anspruchsvoll… Diese „Bäder“ werden aus Taubenschiet und Wasser angerührt. Irgendwie sieht man die Lederproduktion nach diesem Einblick mit anderen Augen… in dem angeschlossenen Ledershop lassen wir uns mal wieder ordentlich übers Ohr hauen, wie wir später in den Gassen erkennen müssen – die Lederpreise sitzen einfach noch nicht so. Wir lernen es wohl nicht mehr. 😉

Es geht zu Fuß zurück in Richtung Zentrum. Der „Le Jardin Secret“ entspannt uns nach diesem langen Weg mit den vorherigen Geruchserfahrungen sehr. Eine grüne Oase der Ruhe mit schattigen Plätzen unter den Pflanzen und fließendem Wasser aus dem Atlasgebirge.

Unser Plan für den Abend ist, den Sonnenuntergang auf einer der Dachterrassen über dem  „Place jemaa el Fna“ (ein großer Platz der Händler) zu erleben. Wenn es dunkel wird, soll es auf dem Platz illuminationsmäßig ein Genuss sein. Der Garten entlässt uns wieder ins Getümmel, wir versuchen die richtige Richtung einzuschlagen. Die Sonne und die Türme der Moscheen sind hilfreich.

Ein Foto mit den Guerrab (Wasserträgern) und den Schlangenbeschwörern muss noch sein.

Der Scan der Terrassen auf dem Place jemaa el Fna lässt auf einen Tisch in der ersten Reihe hoffen… wir haben Glück und genießen die Aussicht bei 1 – 3 Minztees bis die Sonne untergeht.

Zurück in unserer Gasse trinken wir noch einen Tee mit unserem Barbier (er ist so unglaublich liebenswürdig). Den Barbierladen hat er seit 54 Jahren …. 54 Jahre in Marrakech in dieser Gasse – unvorstellbar – er wirkt so glücklich und ausgeglichen und strahlt soviel Zufriedenheit und Fröhlichkeit aus….

Hussein und Mohamed von dem Hostel „Dar Ana“ lassen uns herein. Wir verbringen wieder eine Weile auf der Dachterrasse, bis ein Großteil von uns müde in die Koje fällt. Andere kochen noch Tajin und schlagen sich die Nacht unter 1001 Sternen um die Ohren.

1000 und Eine

Nov.′ 19 06

Das Taxi bringt uns zur Bus Station. Es ist wichtig, immer genug Kleingeld dabei zu haben, dein Freund der Taxifahrer kann garantiert keine 100 DH wechseln. Niemals.

Die CTM Busse nach Marrakech sind super. Klimatisiert, bequem und auch fast ausgebucht – ein normaler Reisebus.

Wir verlassen Agadir und fahren durch Gebirge und Steppenlandschaft. Es gibt ziemlich viel Gegend hier in Marokko, das wird schnell klar.

Der Bus stoppt zentral in Marrakech. Es sind nur noch 15 min mit dem Taxi in die Médina (Altstadt). Wir fragen den Menschen am Schalter des Busbahnhofs – normalerweise ist der Preis 20 DH bis an den Rand der Médina. Wir schaffen es aber irgendwie nicht, den Taxifahrer unter 45 DH zu drücken – wir haben uns echt angestrengt. Das Taxameter ist natürlich kaputt – was sonst. Vllt. hätten wir einfach aussteigen sollen… Egal. 2€ oder 4€. Aber wieder wird der 3-fache Normalpreis aufgerufen…  – einfach zu rechnen … wenn es denn helfen würde.

Die Médina ist autofrei. Aber nicht Fahrrad- , Mofa- , Esel-, Pferde- oder Handkarrenfrei. Und gerade für die Mofas scheint es auch kein Tempolimit zu geben. Die Händlergassen sind umwerfend und wuselig. Es riecht so gut und ist wahnsinnig bunt. Aber auch total sauber. Es ist der Wahnsinn. Wir schlängeln uns durch die Gassen und versuchen unser Hostel „Dar Ana“ zu finden. Gar nicht so leicht. In den hohen Gassen setzt zeitweise der GPS-Empfang aus… selbst als wir zu dem Punkt navigiert haben, sind wir noch 3x vorbei gelaufen und drehen uns im Kreis… son bisschen wie Geocaching… dann verschwindet der Käpt’n in einer dunklen Gasse und findet dort einen winzigen Hinweis auf unser Hostel. Wir klingeln und tatsächlich öffnet uns unser Gastgeber. Wir werden erwartet.

 

Wir richten uns in dem bunten, freundlichen Hostel ein und gehen durch die Médina. Kleine Gässchen, buntes Treiben. Gegenüber ist ein Barbier. Der Käpt’n nutzt die Gelegenheit und lässt sich die Haare zurechtstutzen. Eine echte marokkanische Frisur bekommt er verpasst, während die Damen auf den Wartestühlen mit Pfefferminztee bewirtet werden. Weiter gehts durch die Médina. Der Palast hat leider schon geschlossen – die Rasur des Käptns. war einfach harte Arbeit für den Barbier und hat Zeit verschlungen.

Dann gucken wir uns ein paar Restaurants genauer an und werden sofort hineinkomplimentiert – wirklich freundlich. Überhaupt nicht mit der „Aggressivität“ von Agadir zu vergleichen. Die Händler sind entspannt, sprechen einen zwar an, wenn sie merken, dass uns etwas interessiert, lassen uns aber auch mit einem Lächeln weiterziehen, wenn wir es nicht wollen… es gibt jedenfalls wieder Tanjin in dem Lokal und ein Pfefferminztee bis wir weiterziehen. Es wird dunkel und die Gassen werden noch hübscher und erstrahlen mit vielen kleinen Lichtern der Händler.

Der Kptn. interessiert sich für ein grünes Gewand. Der Händler ruft 700 DH auf….. – der Kptn. lacht innerlich (weil er ja die Preise von Uniprix kennt). Das knallharte Gegenangebot lautet 100 Dh. Dem Händler kullern die Tränen…. aber man merkt, dass er trotzdem Spaß an der Sache hat. Der Kptn. bekommt ein paar Gewänder gezeigt. Ein paar übergeworfen und einen Turban gebunden (Alibaba). Schließlich sind alle zufrieden und der Kptn. hat sein Gewand für 200 DH gleich anbehalten.

Ab jetzt ist alles einfach. Nun ist Kptn. Orm ein echter Marokkaner. Marokkanische Frisur und marokkanisches Gewand. Er wird nicht mehr angesprochen. Kptns Fru meint sogar, dass ihm nun die marokkanischen Damen hinterhersehen…

Auf einer Dachterrasse pausieren wir und bekommen noch einen Minztee. Kptn. Marocain kann nun auch schon die Einkippprozedur aus einem Meter Höhe. Die Kellner staunen nur und wollen ihn gleich dabehalten.

Auf dem Rückweg schauen wir noch einmal bei dem Barbier herein, wir werden sofort hereingebeten und mit einem Minztee versorgt – er freut sich überschwänglich, dass wir vorbeikommen.

Müde landen wir in unserm Hostel und werden von den drei Betreibern auf die Dachterasse eingeladen. Wir essen unser Steinofenbrot gemeinsam und trinken einen (ja was wohl) Minztee.

Berber und Whisky

Nov.′ 19 05

Frühstück und los. Die Taxen stehen vor dem Marinaeingang Schlange. Alle winken sie wie verrückt und wollen uns mitnehmen. Nette Kollegen – alle so freundlich… Das Taxameter bleibt auf Libre stehen – aber Jule macht n Festpreis ab. Einmal zum Busbahnhof (Karten kaufen) – dann zum Souk (kommerzielles Viertel in einer arabischen Stadt). Auf dem Busbahnhof werden wir von einem netten Herren empfangen (er hat Verwandte in Hamburg)… Buskarte? – No Problem… Wir hinterher… Drei Stockwerke runter – irgendein kleiner Stand…. Ähhh – aber wir wollten doch ganz woanders…. Hier trennen sich unsere Weg mit unserem neuen Freund… Der Schalter vom CTM war natürlich gleich in der Eingangshalle… 300 Dh (30 EUR) für 3 Pers. Nach Marrakesch (250km). Morgen um 11h fährt der Bus ab.

Unser Taxi fährt mit uns weiter zum Souk (der Taxifahrer hat übrigens Familie in Düsseldorf). Wir halten in einer kleinen „Fabrik“, in der Kosmetiköl hergestellt wird – aber wir wollen doch gar nicht…. – Naja – dann gucken wir eben mal. Die Dame spricht super deutsch (hat einen Bruder in Hamburg) und erklärt uns wie das Superöl zu einem horrenden Preis per Handarbeit hergestellt wird… – ähh – ist klar. Jedenfalls – was solls – wir nehmen ne Flasche – die sind ja sooo nett.

Jetzt aber endlich zum Souk – erstmal zum Touristen Souk. Unser Freund der Taxifahrer verlässt uns hier. Der Verkäufer in dem 4-Stöckigem Souk Kaufhaus spricht deutsch (hat natürlich auch Verwandtschaft in Deutschland) und macht uns suuuuper Angebote auf allen vier Stockwerken. Teppiche, Gewänder, Geschirr, Schmuck – wir nehmen alles…. Wir bekommen soviel Rabatt überall drauf – wir sind die Größten.

Jetzt zum Nicht-Touristen-Souk. Wir werden sofort als Touristen erkannt – weiß auch nicht warum… Die Angebote sind so grandios hier – Alle Händler sind quasi Halbdeutsche. Wir halten uns zurück und suchen was zu Essen. Echt marokkanisch: Tajine (traditioneller Eintopf) – Es gibt ihn an jeder Ecke. Wir nehmen den mit Huhn. Vorher bekommen wir einen Salat und zum Nachtisch gibt es Früchte – Der Restaurantbesitzer war dafür nochmal kurz an einem Marktstand… – er ist jetzt ein guter Freund und hat Verwandte in….

Das nächste Taxi ist unser. Es geht zurück zum Marche Central – Wieder ein Souk. Gleiches Sortiment. Der Kptn. findet ein Gewand, welches passt zu einem grandiosen Preis – der Verkäufer ist so freundlich (hat ne deutsche Cousine). Außerdem kaufen wir noch eine Holzkiste für den Lacher von 100 DH – von 600 DH runtergehandelt – wir sind voll die Verhandlungsfreaks.

Next Stop: Uniprix. Ein Kaufhaus mit dem gleichen Sortiment, das uns heute den ganzen Tag über in den diversen Souk’s angeboten wurde. Der Unterschied: Es gibt Preisschilder. Wir sind entsetzt. Sie haben uns alle abgezockt. Trotz unserer grandiosen Verhandlungstechnik entsprechen die Preise hier etwa 1/3 von dem, was wir bezahlt haben. Dabei gab es ja immer Rabatte ohne Ende von unseren ganzen neuen Freunden….

Wir sind am Ende – geknickt – sie haben uns alle übers Ohr gehauen. 😉

HEIßER TIPP: Zum Preise checken erst zu UNIPRIX – erst dann zu den Souk’s.

Rabatt und Rabatt und Rabatt

Nov.′ 19 05

Marokko ist roamingtechnisch Länderklasse 3 – das Teuerste wo gibt… 😉

Wir brauchen also eine marokkanische SIM-Karte für unseren mobilen Hosentaschen-Router. Damit die Handys unterwegs mit WLan aus der Hosentasche versorgt werden können. (Im Hafen von Agadir benutzen wir Wlan von einem Pub oder der Marina über den Verstärker.)

Im Hafenbereich von Agadir bekommen wir eine SIM-Karte von Maroc Telecom (iam.ma) – Hier gibt es eine Filiale. 20 DH kostet die Karte. Am besten gleich in der Filiale kurz ins Telefon stecken und von dem Mitarbeiter aktivieren lassen. Die Nummer dringend aufschreiben lassen! Nun kann man in dem kleinen Supermarkt am Hafen, oder dem neben der Bowlingbahn am Stand Guthaben aufladen lassen – 50 DH (5 EUR) -> 5 GB.

Die PIN der Simkarte haben wir in dem Zuge auch gleich deaktiviert. Danach hat sie in unserem Router super funktioniert.

SIM und Netz

Nov.′ 19 04

Endlich mal wieder Brötchen zum Frühstück J Auf Überfahrten gibt’s immer nur Müsli. Doch vorher gehen wir uns bei der Marina von Agadir anmelden. 80 Euro für eine Woche, fairer Preis.

Nach dem Frühstück lechzen wir nach Wlan. Der Italiener gegenüber hat ein gutes Netz, da gehen wir mal n Käffchen trinken. Und siehe da, das Passwort gibt’s umsonst dazu. Nun steht das Netz wieder auf der Røde Orm. Am Nachbarsteg liegt ein Schiff aus der Schweiz mit Almut und Eddi an Bord. Sy Single Malt. Die beiden liegen schon länger hier und haben uns Infos angeboten.

Wir wollen ja unseren Sightseeingplan aufstellen, also lassen wir uns bei den beiden im gemütlichen Salon nieder. Supernett erzählen die beiden uns ihre Erfahrungen mit Marokko, geben uns Tipps für Ausflüge, günstige Leihwagen, nette Herbergen. Mit Visitenkarten und Fotos bepackt, gehen wir zurück aufs Schiff, um das erstmal zu verdauen. Schon klopft es, und die beiden Kanadier stehen am Schiff, zum 5 o’clock Tea.. äh Wein. Sie sind von New York zu den Azoren gesegelt mit einem Schiff, so ähnlich wie unsere Shipman. Beeindruckend. Unsere Infokiste wird weiter aufgefüllt, so langsam runden sich die Pläne. Wir werden übermorgen nach Marrakesch fahren, ein Airbnb-Hostel ist gebucht für zwei Nächte. Es bleibt spannend.

Kopf und Rauch.

Nov.′ 19 03

Wir rufen wie gewünscht 2 sm vor dem Hafen die Marina auf Kanal 9. Keiner meldet sich. Noch im Hafen rufen wir… keine Rückmeldung. Aber ein winkendes rotes Sweatshirt. Immerhin. Er winkt uns an einen Fingersteg und gibt eindeutige Zeichen, dass wir rückwärts einparken sollen. Nee nee, das klappt nicht mit unserem Langkiel, ohne Bugstrahl… aber er lässt nicht locker. Mit drei Mann stehen sie inzwischen am Steg und ziehen und drücken ab und schaffen es, die Röde Orm rückwärts reinzuziehen. Der Käptn gibt alles. Geschafft. Wir sollen an Bord auf den Zoll warten.

Wir räumen flugs das Schiff auf, kochen Essen (wir sind am Verhungern) und putzen uns raus. Knie bedecken, Schultern bedecken, gepflegten Eindruck machen. Geschichten von einer dreistündigen Komplettfilzung des Bootes einschließlich Drogenhund lassen uns nervös werden. Wir essen, und warten. Als wir uns zur Siesta langgelegt haben, klopft es. Der Käptn schnellt hoch. Yes please come on board! Ein lächelnder von der marokkanischen Polizei, einer von der Immigration, einer vom Zoll. Sie sitzen nebeneinander im Cockpit, checken die Papiere, schlürfen heißen schwarzen zuckrigen Kaffee und lieben Schokoreiswaffeln. Ob wir eine Drohne oder Waffen an Bord haben? Nee. Türlich nicht. Die Drohne haben wir ja der Salty mitgegeben. Und sämtliche Biere. Das wollen die gar nicht wissen. Der Käptn wird wahnsinnig. Nach einer halben Stunde ziehen sie fröhlich wieder ab, ohne einen Blick unter Deck getan zu haben. Wir atmen auf. Eingecheckt!! Wir holen die gelbe Q Flagge ein und fallen müde in die Kojen.

Salem und aleikum

Nov.′ 19 03

 

Wir haben noch 20sm bis Agadir. Der Wind hat auch wieder etwas zugenommen und es geht nun (auch ohne Motorhilfe) flott voran. Vllt. ist es aber auch nur das Kap. und gleich ist wieder Feierabend.
Marokko ist Roaminglaenderklasse 3, wenn der Kptn. das gewusst haette. Das sind ja Preise….. tze.
Hoffentlich geht das WiFi im Hafen… 😉

Und wenn der Zoll uns dann auch noch die KW-Funke lahmlegt, weil das in Marokko evtl. nicht erlaubt ist…. Dann sind wir voll von der Aussenwelt abgeschnitten. Schnell noch eine Nachricht an die Welt, dass wir bald da sind… 😉
Die Gastlandflagge haengt, und die Q-Flagge ist parat – Wo sind bloss die Reisepaesse?
Marokko wir kommen.
Over und aus.

Nov.′ 19 02

Um 1 Uhr ist Wachwechsel. „Have a good watch!“ hoeren wir über Funk, wenn sich die Containerschiffe unterhalten. Draussen ist es tiefschwarz. See und Horizont sind nicht zu unterscheiden. Ab und zu ein weisses Licht am Horizont, von einem Schiff und ueber uns ein gewaltiger Sternenhimmel. Kein bekanntes Sternbild. Was nicht viel heissen muss, wir kennen nur die Gaengigen. Aber die treiben sich hier irgendwie nicht rum. Das Schiff schaukelt weniger. Oder haben wir uns mehr daran gewöhnt? Die Erste sitzt im Cockpit, an der Leine, beobachtet den Kurs und den Schiffsverkehr.

Beides verhaelt sich ruhig. Um 3 Uhr laesst der Wind nach, leider muss der Kaeptn seinen Schoenheitsschlaf unterbrechen, wir taumeln mit 1,5 kn durch die Wellen und um uns herum fahren mehrere Containerschiffe. Anton wird stillgelegt, Thorkel (die elektrische) muss ran, das Segel runter. Weiterschlafen. Um 7 Uhr wirds hell. Beim Wachwechsel um 9 fruehstuecken wir, reissen die Luken auf und lueften die Matratzen. Das ganze Schiff ist latent feucht. Als Morgendusche dient der Wasserkessel, im Cockpit über den Kopf gekippt. Das tut gut, endlich wieder wach! Einer liest, eine kocht, eine spielt auf dem Vorschiff Ukulele. Das Badelaken mit den Delfinen drauf haengen wir zum Trocknen draussen auf, in der Hoffnung, dass es welche anlockt. Sie machen sich rar. Jetzt noch eine Nacht. Wir hoeren immer schon franzoesischen Funk von Land. Koennte sein, dass uns in der naechsten Nacht mehr Fischerboote begegnen, so dass wir vielleicht gemeinsam Wache schieben muessen. Wir werden sehen. Unseren Berechnungen nach duerfen wir nicht mehr unter 4 Knoten fahren, wenn wir im Hellen ankommen wollen. Drueckt die Daumen!!
Bitte keine und Netze.
Over und aus.

Nov.′ 19 01

Mist wir haben Halloween verpasst. Was soll’s – dann essen wir eben die ganzen Naschies alleine. Der Wind haelt noch die ganze Nacht durch. Leuchtalgen umtanzen das Schiff. Morgens um 8h geht der Wind dann allerdings unter 5 Kt. und der Motor muss wieder ran. Gleichzeitig mit dem Ueberschuss an Strom laeuft der Wassermacher und das Notebook wird geladen.

Wir haben immer noch nicht soooo viele Meilen geschafft. Heute Abend sollten wir aber die Haelfte der Strecke im Kasten haben, ab dann geht es wieder bergab und somit auch schneller. Die Nacht war furchtbar. Wir haben im Bett Bauchtanz getanzt. Trotz der tausend Kissen, mit denen wir versucht haben, uns einzukeilen, rollte der Körper staendig. Da versuch mal, einzuschlafen. Hin und her. Jede siebte Welle war dann so stark, dass das ganze Schiff ratterte. In den Schraenken knallte das Geschirr, obwohl vertaeut und mit Handtuechern festgestopft. Da ist dringend ein Update noetig. Dann ist ein Sahnetetrapak gegen den Haken gekommen und hat ihn geloest und die Klappe ist aufgesprungen und die Dose mit den Nuessen ist aufgesprungen und hat sich über die Koje verteilt. Über die bis dahin zu schlafen versuchende. Wir sind noch immer geraedert. Die Pizza und der Salat geben uns wieder Kraft. Aber das Hochgefuehl fuer Nachtfahrten, von denen einige schwaermen, hat noch nicht eingesetzt. Warten wir die dritte Nacht ab.
Over und aus.

Okt.′ 19 31

Die Nacht von Mittwoch auf Donnerstag war irgendwie flau – Flaute – 4 Kt. Wind.
Bis 5h morgens musste Kuddel ran und tuckerte uns durch die Nacht.
Vor der Suedkueste Portugals – ca. 30 sm suedlich der Küste ist ziemlich was los. Da kommen ne Menge Schiffe aus dem Mittelmeer und wollen da hin. Was da wohl los ist? Wir fahren trotzdem weiter nach Sueden.

Leider ist es den ganzen Tag bewoelkt, aber der Wind kommt mit 9-12 Kt relativ stabil aus NW. Wir setzten alles was wir haben – also unsere beiden Segel und kommen mit 4-5 Kt. gut voran.
Es schaukelt nur sehr wenig – man koennte fast sagen, der Ozean ist ruhig. Hoffentlich bleibt es so. Meeno hat es jedenfalls vorhergesagt.
Der Kptn. will Wasser machen – Aus Ozeanwasser Suesswasser. Um dabei strommaessig (also elektisch) besser aus der Waesche zu gucken, schmeißt er den Quirl vom Schleppgenerator ueber Bord. + 4 Amp. immerhin.
Die Sonne und der Wind machen den Rest. Der elektrische Autopilot (Thorkel) hat auch Pause – Der Wind (Anton) steuert.
Um 17.30h sind 24h Stunden um. Unser Etmal 110sm.
Over und out

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