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Mrz.′ 20 28

Samstag, 28.03.20 – Irgendwie bringt uns das jetzt alles durcheinander. Wir wollen noch einmal persönlich mit Frau Eurowings reden – wir kriegen sie sogar an die Strippe, obwohl sie ja echt zur Zeit viel zu tun hat… Sie beruhigt uns, und erklärt uns, wir seien jetzt in einem Rückholsonderflug und wir würden nach Hause kommen – also nach Deutschland – nach Berlin – immerhin.

Der Kptn. ist beruhigt und zischt n Bier.

Das schreibt er gleich dem Kptn. der Hitch… dass wir jetzt mal rüberkommen.

Der Kptn. der Hitch schreibt uns einen Brief:

„He-heeeei,

guten Morge, ihr Lieben.

 Bei uns schneits. Die Umwälzpumpe ist aufgeraucht (er meinte wohl abgeraucht). D.h. kein warmes Wasser in den Heizungsrohren, aber noch Holz an der Wand (Jetzt verbrennen sie die teuren OSB Platten, die sie neulich an die Wand geschraubt haben- oh – nein) . Wir frieren nicht überall (nur da wo die OSB Platten jetzt fehlen – oder wie? – die Kinderzimmer)

Redet mal eure Situation bloß nicht schlecht. Und unsere nicht zu gut: wir leben zwar in einer Bude, in der wir uns wohl fühlen, haben einen Garten mit ahnungslosen Hühnern (die haben wenigstens noch was zum Grillen), aber physische Freunde sehen wir hier auch keine. Der Kleine nebenan rennt auch mit Plastikbazookas rum. Er brabbelt deutsch, ok, weniger aggro als Miltärspanisch. Es gibt natürlich ein paar kleine Dinge, die man als Vorteil werten kann, wenn man Lust darauf hat (ein bisschen mehr Platz zum Aufräumen, ein bisschen mehr Arbeit am Haus hier und dort, aber wenigstens das eigene). Ich sehne mich nach unserem Boot, das auf gesperrtem Boden wartet und vor einem gesperrten leeren Hafen steht.

 Bevor ihr euch auf zu Hause freut, seid euch im Klaren, was euch erwartet. (…von der Ersten zensiert…)

 Wenn in ein paar Wochen die Heeresleitung keine Lust mehr auf den ganzen Scheiß hat, dann könnt ihr SOFORT lossegeln. Hat doch was! Ich hätt’s so gewollt. Euer Boot ist wahrscheinlich so toll wie noch nie!!

 Klatscht weiterhin jeden Morgen in die Hände, habt euch lieb und genießt den Tag:

 “If I strech my arms and wonder where my fingers are, that’s all the space I need” (mano – wir können doch kein Englisch)“

Vielleicht hat Volker recht und wir bereuen es… und es ist in 4 Wochen hier alles vorbei und Europa läuft wieder normal… Aber wie heißt es so schön: „Prognosen sind immer schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen“.

Wir machen also weiter und motten die Røde Orm ein… Der Wassermacher wird nochmal neu eingegiftet. Das Hafenwasser ist sehr sauber und wir sind auch sehr dicht am Hafeneingang – Daher machen wir erstmal 5 Liter Süßwasser, welches wir dann mit Gift verrühren und dem Wassermacher erneut zuführen. Nun ist alles was da Bio war – gestorben. Vielleicht hilft das ja auch gegen Viren?

Over und aus.

Mrz.′ 20 27

Freitag, 27.03.20 – Die EurowingsApp plingt den Kptn. wach. Unser Rückflug in die Heimat ist annulliert. Das ist ja ne fröhliche Überraschung am Morgen – NICHT … Die Erste wühlt verzweifelt Condor und das Auswärtige Amt wieder nach oben… und sucht Flüge… Schnell wieder in die Rückholliste eintragen, wir wollen ja nach Hause.

Der Kptn. muss sich ablenken und sien Fru auch. Sie geht zum Supermercado und er nimmt die Wasserpumpe auseinander. Der Impeller ist fällig und die Welle leckt auch. Das hat der Kptn. der Hitch allerdings völlig in falschen Hals bekommen – siehe Foto.
Das Teil ist jedenfalls schnell demontiert, neu geschmiert und gedichtet und n paar Impeller hat der Kptn. ja auch immer dabei. Remontage – Probelauf – alles dicht und pumpt fein Wasser.

Der Kptn. schreibt noch ne Mail an Eurowings… er will sein Geld wieder zurück und das bei Condor reinvestieren – wir haben ja keinen Ducatenschieter.

Prompt – zwei Stunden später – wurden wir umgebucht – wir fliegen jetzt nach Berlin – da wollten wir schon immer mal hin.

Over und aus.

Mrz.′ 20 26

Die Tage verschwimmen ein wenig. Es ist wie auf Langfahrt, 3 Wochen auf See, ohne Schaukeln, mit Durchschlafen, ohne Fortbewegung. Langsam stellt sich ein Tagesrhythmus ein.

Vor dem Frühstück sitzt die Erste am Computer und frönt ihrer Lieblingsbeschäftigung: sie schreibt. Irgendwelche phantastischen Geschichten. Dann rührt sich der Käptn, setzt sich die Brille auf und checkt sein Handy.

Die Erste stellt das Pfannenbrot an und kocht Heißwasser für Kaffee und Tee. Wir decken den Tisch, lüften die Betten und frühstücken. Dann räumen wir ab, saugen, machen die Betten und einen Spaziergang zum Händewaschen.

Nun beginnt die Arbeit, je nachdem was anfällt. Heute hat der Käptn die Pfropfen abgeschliffen und Diesel nachgetankt. Auf unserem Weg zur Dusche haben wir einen Kanister mitgenommen und Diesel geholt an der Autotankstelle.

Die Erste hat die Winschen in provisorische Hutzen verpackt, Festmacher zu Schnecken gedreht, Backskisten mit nicht so haltbaren Lebensmitteln umsortiert.

Und telefoniert haben wir. Mit Portimao, die Policia Maritima hat zugesichert, dass man da ankern dürfte. Wir können es nicht lassen, nach Wetterfenstern zu schielen.

Condor hat Flüge für morgen storniert. Aber wir fliegen ja erst Dienstag und mit Eurowings ab Lanzarote. Also besteht noch Hoffnung.

Gegen 15 Uhr schnippeln wir Salat und hören dabei den aktuellen Podcast von Drosten. Wobei die Erste zunehmend nur Bahnhof versteht. Alles viel zu wissenschaftlich.

Anschließend gibt’s einen Kaffee, bevor es weitergeht.

Heute wieder mit einem Gang zum Supermarkt, der Käptn hat ein Stück Steak gejagt bekommen. Ihm lief gestern das Wasser im Mund zusammen, als er ein Bild vom Angrillen in Suchsdorf bekommen hat.

Dann wechselten wir das Öl und den Ölfilter, da man da so schlecht rankommt, hat das ewig gedauert. Der Käptn hatte eine Super Hilfe!

Und im Kalender hat sich wieder ein Geburtstagskind gezeigt, da freut sich die Erste immer, da kann sie ein Lied singen. Glückwunsch, Geli!!

Wenns dunkel ist, so gegen 19.30 Uhr, kochen wir und schauen beim Abendessen die Tagesschau. Zwischendurch chatten und telefonieren wir mit Freunden.

So rasen die Tage dahin.

Auf der Langfahrt sieht man, wie sich die Seemeilen, die man noch vor sich hat, verringern und ahnt irgendwann ein Ende. Man hält Ausschau, wann Land zu sehen ist und freut sich schon auf den Ankerwurf.

Wir können leider gar nicht abschätzen, wie viel Zeit noch vergehen wird, bis wieder Land in Sicht ist. Ein Land, in dem das Leben, wie wir es bis jetzt kannten, wieder stattfindet.

Wir hören von Seglern auf der ganzen Welt, in der Karibik, in Panama, in Kanada, in den USA, in Argentinien, auf den Marquesas im Pazifik, im Mittelmeer, nirgendwo ticken die Uhren noch so wie vor Corona.

Neuer und Tag

Mrz.′ 20 25

Heute morgen kam die Meldung rein, dass Condor einen Rückholflug für heute, 15 Uhr bereitstellt. Prima, wie zeitig wir davon erfahren. Da sind noch offene Propfen an Deck, das Segel ist noch nicht abgeschlagen, geschweige denn irgendeine Tasche gepackt. Das ist nicht zu schaffen. Vor allem, weil wir ja drei Stunden vor Abflug am Flughafen sein sollen. Da unser Flug am 31. aber noch immer bestätigt ist, machen wir uns erstmal keine Sorgen. Wir beschließen nur, das Schiff jetzt auf Hochtouren soweit abzutakeln und zu sichern, dass wir es zeitnah verlassen können.

Nach dem Frühstück ist also action angesagt. Wir verstärken die Festmacherleinen mit abgeschnittenen Hosenbeinen von der Ersten, legen überall eine zweite Festmacherleine als Backup, benähen die restlichen Fender mit des Käptns T-shirts. Wir nehmen das Vorsegel runter und verpacken es, wickeln die empfindlichen Teile der Furlex in Tuch ein und waschen die Schoten. Wir nehmen die Selbsteueranlage ab, waschen sie mit Süßwasser und verstauen sie in der Hundekoje und ebenso den Außenborder.

Ihr fragt euch bestimmt, warum der ganze Aufwand? Hier brennt die Sonne alles weich. Also alles, was Plastik ist, löst sich einfach auf von der vielen Sonne. Die Fender werden mit der Zeit weich, wenn dann der Kalima Wüstensandsturm kommt, klebt der Sand an den Fendern, sie färben sich gelb und schrubbeln wie Schleifpapier den Schiffsrumpf auf.

Wir haben oft auf den Kanaren und Lanzarote Boote gesehen, die seit Jahren ohne Fenderkleider hier liegen, und schlimm aussehen. Daher die ganzen Vorsichtsmaßnahmen.

Am Ende des Tages haben wir viel geschafft. Wir haben beide einen dicken Kloß im Hals, weil wir die Røde Orm nicht verlassen wollen. Der Tag endet mit Nudeln an Tagesschau… Schreckensnachrichten aus der Welt. Und hier ist alles so friedlich.

Over und out.

Mrz.′ 20 24

Frühstück, duschen (so oft wie hier, haben wir auf der ganzen Reise nicht geduscht), einkaufen (der Käptn. hat sich Senfeier gewünscht, weil wir die Kapern von der SY Maia too „geerbt“ haben und das sein Lieblingsessen ist).

Danach wird es wieder aufregend. Wir erfahren, dass ein Terminal am Flughafen Lanzarote gesperrt wird. Unser Flug steht aber noch. Fast zeitgleich erfahren wir, dass ein Freund auf Madeira in Quinta do Lorde an einer Art Quarantänesteg liegt. Und Windy verspricht ein Wetterfenster. Also laufen die Drähte heiß. Die Erste knüpft Kontakt mit der Marina in Quinta do Lorde, und wird an die Regierung auf Madeira verwiesen, wir bräuchten eine offizielle Erlaubnis. Leider geht da nur jemand ans Telefon, der kaum Englisch spricht. Der reicht uns weiter an die Hauptmarina in Funchal. Dort geht jemand ans Telefon, der außer „Airport ist closed“ nichts versteht und in einer Wiederholungsschleife betont, dass sie für Schiffe und nicht für Flieger zuständig sind.

Ach könnten wir doch Portugiesisch. Die Erste beschließt ihr Fremdsprachenlernprogramm zu erweitern. Vorerst kontaktieren wir Erwin aus der Algarve. Er ruft da an für uns an. Doch leider bleibt die Antwort unbefriedigend, alle Häfen sind bis zum 31.3. gesperrt. Nichts zu machen, liebe Röde Orm. Dieses Wetterfenster müssen wir leider verstreichen lassen.

Weiter und warten

Mrz.′ 20 23

Es stürmt am Morgen noch immer. Und regnen tut es zeitweise auch noch…

Der Kptn. beginnt mit einer Fernwartung des WiFi-Routers auf der SY Meermaid… mit Zerlegung und total Reset und aufgeben und auf morgen verschieben. Er fühlt sich wie der Marsianer… mit Bordmittel über Ferndiagnose Technik reparieren.

Dann geht es weiter an die neuen Pfropfen an Backboard. Später folgt die Klampenabdichtung an Backboard – es läuft.

Die Erste näht aus des Kptns. alten T-Shirt Fenderüberzieher. Ein Fender hat nun sogar ne Brusttasche. Vorher mussten dem Kptn. ihm seine Lieblingstshirts irgendwie abgeluchst werden… Die T-Shirts wurden echt schlecht gemacht und fleckig gesprochen und „das spannt so am Bauch“ und aus einem T-Shirt kriege ich sogar zwei Fenderüberzieher hin… – mit den wirklich fiesesten Tricks wurden sie entwendet – nur um die Fender zu schonen.

Wir hatten Kontakt mit einem Segler in der Algarve, Jan von der Ahora, er liegt vor Anker in der Lagune vor Ohlao (das war ja auch mal unser Plan). Er darf nicht mehr an Land und auch nicht zum einkaufen https://ahora.de/gefangen-an-bord/

Wir stornieren vorerst mal die Idee von Lanzarote ans Festland zu kommen.

Wie es sonst so bei den Langfahrenden aussieht lest ihr am Besten bei Bigfoot auf der Seite: https://www.sybigfoot.de/…

Das ist sehr gut beschrieben…wie gut dass wir nicht übern großen Teich gesegelt sind!!

Fest und sitzen

Mrz.′ 20 22

Auch am 3. Tag ist das Pfannenbrot (siehe 20.3.) noch gut – wir bleiben wohl dabei – irgendwie müssen wir ja den Mehrvorrat dezimieren. Heute wurde nur ¼ Gofio (geröstetes Maismehl, eine Spezialität von den Kanaren) reingemischt und etwas Haferflocken – Die Haferflocken lassen wir aber wieder weg, dann wird das Brot zu bröckelig. Das Gofio ist für uns geschmacklich besser.

Nach der Sonntagstelefonkonferenz zwischen Deutschland und Lanzarote müssen wir uns bewegen. Reicht die dreckige Wäsche für eine Waschmaschine (längster Bewegungsradius) – knapp – aber wir investieren die 4 € trotzdem, allein schon wegen des „Spazierganges“ – in Spanien ist ja die totale Ausgangssperre – also nicht mal spazieren gehen – das macht uns ziemlich zu schaffen. Auf dem Weg zum Waschsalon laufen wir an den geschlossenen Restaurants und Bars vorbei. Zwischen den Stuhlstapeln kommen uns immer wieder Katzen entgegen. Sie werden hier organisiert gefüttert und geimpft, so dass ihnen im Moment nur die Streicheleinheiten der Touristen fehlen. Ganz zutraulich streichen sie uns um die Beine.

Ne Dusche wäre auch mal wieder ganz gut – liegt ja aufm Weg – oder sollen wir doch noch mal extra los gehen…

Der Kptn. ist jetzt wieder sauber und guckt mal, was als nächstes auf der To-Do-Liste steht. Die Klampe auf dem Vorschiff wird fertig gemacht. Und die fehlenden Propfen auf dem Teakdeck werden eingesetzt.

Schiff und refit

Mrz.′ 20 21

Karl und Karin haben es geschafft. Wir bekommen die restlichen Lebensmittel und die beiden verschwinden im Flieger von Lanzarote nach Deutschland. Wie cool. Wir haben noch 10 Tage, bis unser Flieger geht und werden es bis dahin wohl überstehen. Wobei wir ein bisschen stutzen. Sie müssen in Lanzarote 2 Taxen nehmen, weil die Taxifahrer nur noch einzelne Personen mitnehmen. Im Flugzeug sitzen sie dicht an dicht gedrängt mit den Rückfliegern. Kein Sicherheitsabstand. Wie widersinnig.

Die Erste telefoniert mit der Familie und plant unsere Unterbringung. Bei Mormor geben wir den trendigen Mundschutz von Katrin ( SY Meermaid ) in Nähauftrag, damit wir unsere Umgebung vor eventuell eingefangenen Viechern auf dem Flug schützen können. Wir werden wohl in selbstgewählte Quarantäne abtauchen für 14 Tage.

Doch erstmal kümmern wir uns um unser Schiffchen.

Nach dem Frühstück werden die Pfropfen der neuen Teakleiste geköpft, bevor der Dremel zum Einsatz kommt und alles plan schleift.

Die Erste umwickelt die Furlex mit einem Staubschutz – besser ist das.

Dann stehen noch die Bugklampen auf dem Programm. Leider haben beide bei unserer Überfahrt von Gran Canaria nach Fuerte ein paar Tropfen Salzwasser durchgelassen. Die Røde Orm ist ja aber nun mal an den Klampen mit dem Gestade vertäut, also müssen die dicht gemacht werden – eine nach der anderen. Erstmal nehmen wir uns die Steuerbordklampe vor.

Schiffs und Pflege

Mrz.′ 20 20

Morgens stellt die Erste den Herd mit dem Pfannenbrot an. Von der SY Monte ( https://sy-monte.de ) haben wir ein cooles Brotrezept bekommen (s. Foto). Der Teig ist über Nacht gegangen, nun soll er gebacken werden. Herrlicher Brotduft zieht durch das Schiff. Wir decken den Tisch.

Nebenbei buchen wir einen Flug – noch vor dem Frühstück. Ja, wir haben die ganze Nacht gegrübelt und uns jetzt entschieden. Am 31.3. soll er uns der Flieger auf direktem Weg von Lanzarote nach Hamburg bringen – hoffentlich klappt das. Drückt uns die Daumen.

Bis dahin ist noch einiges zu tun. Die Backskisten sind zwar voll, aber die meisten Lebensmittel bis 2021 haltbar. Die bleiben einfach an Bord. Die Furlex muss eine Hutze bekommen- gegen Sonne und Kalima. Die ToDoListe verlängert sich wieder.

Einerseits fällt uns ein Stein vom Herzen bei dieser Entscheidung. Denn die Bilder aus Italien haben unsere Hoffnung, am spanischen und französischen Festland mit dem Schiff einkehren zu können, gründlich zerstört. Wenn sich in 8 Wochen alles beruhigt hat, haben wir immer noch Zeit, die Røde Orm von hier zurück zu segeln. Wenn nicht, ist es gut, bei der Familie zu sein.

Der Kptn. will heute seine zusammengestückelte Teakleiste unter das Sitzbankbrett schrauben und kleben. Diesmal geht es sogar ohne viel Schmierkram ab. Das liegt wohl da dran, dass wir ziemlich viel Zeit haben – kein „ich mach mal eben schnell“. Die Leiste ist fixiert und klebt. Morgen wird sie weiterbearbeitet und abgeschliffen.

Am Abend beschließen wir mal eine Spielrunde „Game of Donkey“ – ja ist ja klar wer der Esel ist – der Kptn.

Esel und Teak.

Mrz.′ 20 14

Da redet man einmal über Science Fiction und schon wird das Wirklichkeit. Also heute ist irgendwie alles anders.

Madeira hat die Häfen geschlossen. Nun auch für Yachten – sogar ankern ist verboten. Das wäre ja unser nächstes Ziel gewesen. Marocco hat die Häfen geschlossen. Freunde wurde am Hafen abgewiesen (mit Polizei und MGs – wirklich!!!) und wieder 250 sm auf die Kanaren zurück geschickt. Spanien verhängt den Alarmzustand, es gibt nun eine Ausgangssperre. Nur das Notwendigste ist ab morgen erlaubt: Einkaufen, Arbeiten, Apotheke, Ärzte, Hunde entleeren. Man darf nicht mehr ohne Grund spazieren gehen. Freizeitsegeln, Hafen wechseln – alles gestrichen. Man stelle sich das mal vor. Wir hoffen, dass wir noch auf Klo und zur Dusche dürfen. Und in die See springen. Liegt ja auf dem Weg – vielleicht lieber nicht. Es gibt’s hohe Strafen bei Nichtbeachtung.

Wir machen eine Whatsappkrisensitzung mit den anderen Yachten (ob das erlaubt ist?). Gibt eigentlich schlimmere Orte, um verordnet Bücher zu lesen und Tee zu trinken. Hier kann man das wenigstens im T-Shirt tun – reden wir uns ein. Mal sehen, was wir nach 15 Tagen zu dieser Aussage stehen.

Da alle Häfen um uns herum auch geschlossen haben, werden wir erstmal für die nächsten 15 Tage hierbleiben. Wir nutzen noch ein letztes Mal unser nun doch recht teures Auto und füllen alle Backkisten, Hamster sind allerdings nicht dabei. Der Laden ist zwar gut besucht, aber es gibt alles was man will.

Klopapier stellt zum Glück die Marina Rubicon.

Facebook und WhatsApp darf man eigentlich nicht mehr lesen – das macht ja komplett wahnsinnig. Wir beschließen, auf Jörgs anraten (SY Sissi) einfach mal ein paar Folgen von „Eisenbahnromantik“ herunterzuladen. Das macht den Kopf des Käptns frei… 😉

Der Kptn. lädt sogar sein Tolino auf und will mal ein Buch lesen.

Jule kocht Curry für die nächsten 15 Tage – so denkt der Kptns., mal sehen, wie lange es reicht.

Science und fiction

Mrz.′ 20 13

Der Bäcker am Ende des Einkaufszentrums hat frühes Brot. Dort sitzen auch die Spanier und frühstücken und es gibt noch Cafe con leche für 1 Euro. Ansonsten haben die Restaurantes hier eher deutsche Preise.

Die Autovermietung ist rappeldickevoll. Wir setzen uns an den Nebentisch und diskutieren, wie lange wir ein Auto leihen wollen… 5 Tage für 107 Euronen oder 7 für 140 Euronen.. oder doch nur einen für 40? Da unterbricht er uns und bietet uns für 100 Euros das Auto für 7 Tage an (Paylesscar). Na da schlagen wir mal zu. Wir wollen uns ja noch so viel anschauen auf der Insel.

Arrecife und Puerto Calero, damit fangen wir an, ein bisschen Großstadttrubel, um zu wissen, warum wir in Rubicon am besten, am ruhigsten und am schönsten liegen mit dem Schiff.

Den Abend lassen wir in der One Bar ausklingen. Als einzige Kunden. Wasn los hier?

Unsere Nachbarn – ein riesiges Motorboot – bestrahlen das Wasser. Das sieht aus wie in einem Science-Fiction Roman. „Wiesu denn blus tut sie so, tut sie so, uhahuh“ um es mit den Worten der Trolle in des Schauspielhauses Inszenierung der Ronja Räubertochter zu sagen, als Ronja sich mit dem Fuß in ihrer Höhle verfängt.

Tanzen und Schiff

Mrz.′ 20 12

Das ist wie nach Hause kommen. Schön hier. Alle freundlich, alles sauber, warmes Wasser in der Dusche. Joachim, der Bruder von Dieter von der SY Tamora (erinnert ihr euch ans letzte Sabbatjahr) kommt zu Besuch. Wir schwatzen und schlürfen unser Käffchen und freuen uns des Wiedersehens. Er gibt uns noch Tipps für Lanzarote. Was wir alles noch unternehmen wollen.

Am Nachmittag ist die Wäsche dran, die sich in den letzten 14 Tagen angesammelt hat. Wir setzen uns in die Bar neben der Waschmaschine zwischen die blassen anderen Touristen und lauschen dem dröhnenden Gesang der Livenixe, die da am Mikro klebt. Irgendwann sausen die Ohren.

Zwischen Waschen und Trocknen wollen wir in den Marina-eigenen Pool springen. An der Leiter hängt ein Schild: gesperrt. Nur die Möwen dürfen baden. Also suchen wir das Meer und finden eine Steintreppe über die Mole, die auf einer Steinplattform endet. Dahinter türkises Wasser. Beseelt tauchen wir in das klare Wasser und planschen was das Zeug hält.

Leider trocknen die Trockner trotz wiederholten Geldeinwurfs gar nicht. Also hängen wir mit den letzten Sonnenstrahlen noch schnell unsere Bettwäsche in die Abendsonne. Abends kommt sie klamm unter Deck… für die restliche Wäsche reichen die Klammern nicht, wir fädeln alles auf, was zwei Löcher hat. Da strahlt es wieder, unser Plünnenschiff.

Klammes und Bett

Nov.′ 19 21

Gestern hatten wir noch ein Auto reserviert, mit dem wir heute die Insel erkunden wollen.

Wir haben ja im Jahr 2011 schon viel von Lanzarote gesehen, aber ein paar Dinge fehlen noch: Die Cueva de los Verdes, das Haus von César Manrique in Haría und El Golfo, die raue Westküste der Insel.

Doch zuerst halten wir in Playa Blanca und kaufen eine Simkarte, damit wir auf Graciosa genügend vernetzt sind. Dann stöbern wir nach kleinen Adventskalendergeschenken und packen auf der Ablage unseres Fiat Pandas Weihnachtspäckchen für Veit, die anschließend in der Post auf den Weg nach Kiel geschickt werden. Nun aber los, Richtung Arrecife. Julita erzählt, sie bekommt Besuch und will zelten.. Son Teil, das man in die Luft wirft und was, dann Aufgebaut landet, wollte der Kaptn. schon immer mal haben, als Generation *im Dunkeln Zeltstangen suchen und sich in der Zelthaut verheddern*. Also steht ein Stopp bei Decathlon an. Daneben lässt das goldene M des Käptns Magen knurren. Da der Weg vom knurrenden Magen zum knurrenden Käptn recht kurz ist, kehren wir ein. Als das befriedigt ist, geht’s Kurs Cueva de los Verdes – supergeilo. Toll beleuchtet… Aber warum machen die in einige Ritzen Bauschaum rein… Der Kptn. wird leicht unruhig. Ganz tief unten ist ein Konzertsaal in der Höhle. Schöne Farben und ein Geheimnis… wir kommen an ein unglaublich tiefes Loch, der Höhlenboden leuchtet von unten uns entgegen. Atemlose Stille setzt bei den rund 30 Besuchern ein. Dann nimmt die Höhlenführerin einen Lavastein in die Hand, um ihn in die Tiefe zu werfen. Wir erwarten einen laaaangen Fall und ein entferntes Klonk. Doch.. der Stein fällt ins Wasser! Wellen verzerren das Bild, das sich im Höhlensee gespiegelt hat. Wow. Tanürlich haben wir ein Foto gemacht. Unerlaubterweise. Aber ihr wollt ja auch einen Eindruck haben.

Wir also wieder ins Auto, weiter zu Manriques Haus. Super eingerichtet… hat die gleiche Küche wie Beate (s. Foto) – ist also künstlerisch wertvoll… Also Ulf – ich denke, Beate sollte dir doch das neue Segel erlauben. (Zeterundhorrido).

Ein heißer Typ war Manrique – das konnte man in einem Filmchen gut sehen. Er hat richtig viel rumgemeckert, als Lanzarote mit Hotelburgen zubetoniert werden sollte. Auch Demos wurden organisiert. Bis die Regierung (!) seinen Plänen zugestimmt hat. Echt toll, wie er es geschafft hat, Lanzarote seine Schönheit mit den kleinen weißen Häusern zu bewahren – Hoffentlich bleibt es so.

Weiter nach El Golfo – vor dem Sonnenuntergang wird es ziemlich knapp… Vor allem weil auf dem Weg dorthin noch Angelina Jolie und Brad Pitt am Wegesrand rumstehen und dort einen neuen Film drehen. Leider standen auch noch ne Menge WoMos und Zelte und Security im Weg. Wir konnten ihnen also nicht persönlich guten Tag sagen.

Mit dem letzten Viertel der Sonne landen wir in El Golfo und schießen ein paar Fotos von der sagenhaften Küste. Auch die Saline im Sonnenuntergang ist schön.

Leider wird es für den kleinen Wanderweg von El Golfo nach Süden schon etwas zu schnell dunkel – nächstes Mal.

Wir geben unser Auto zurück und verabreden uns mit Karl in der One-Bar – Sehr gemütlich und sehr lecker – zu empfehlen.

Im Dunklen machen wir das Schiff seeklar – morgen wollen wir weiter – allerdings wieder nach Norden. Wir haben per Email 2-Wochen Graciosa gebucht.

Over und out

Nov.′ 19 19

Als die Sonne aufgeht, ist Lanzarote schon in Sicht.

Wir haben die zwei Tage mit 260 Grad vorgehalten… jetzt dreht der Wind westlicher und wir können und müssen abfallen – alles passt perfekt. Meenos Wetter stimmt wieder richtig gut.

Gegen 14h machen wir in Rubicon fest. Wir werden von den Spaniern erstmal mit nem Schlag in die Magengrube empfangen. Unsere Windsteueranlage und unser Anker würden ja überstehen… Sie könnten uns keinen Platz unter 10m für unser Schiff anbieten. (Die haben es nachgemessen). 11m Plätze wären alle besetzt, wir können auf einen 13m Platz und müssten dieses dann auch bezahlen – willkommen im kapitalistischen Europa.

Wir nehmen für 3 Tage den 13m Platz und schlucken die Kröte.

Uli und Renate von der SY Men Goe kommen an Board… Wir planen die Flucht aus der Marina Rubicon am Freitag mit dem SW-Wind nach Graciosa. Gute Idee.

Eigentlich sind wir ganz gut ausgeschlafen, aber son Mittagsschlaf tut trotzdem ganz gut…

Am Abend landet Karl von der SY Maija auf der Insel und besucht uns ebenfalls – voll was los hier auf Lanzarote.

Der Hunger meldet sich und die Snackbar hilft mit nem halben Hähnchen und anderen Leckereien aus. Auch ein Bierchen bekommt man hier wieder ohne Probleme.

Pipe und Bier.

Nov.′ 19 18

Nachts wurde der Wind etwas schwächer, Anton, die Windsteuerung schaffte es nicht mehr den Kurs zu halten, also musste Thorkel ran, der Elektrische. Aber wir konnten durchsegeln. Heute halten wir uns auch mal an die Mahlzeiten, das hebt die Stimmung beträchtlich. Ein Zaubermüsli zum Frühstück, so mit Äpfeln und Nüssen. Und mittags spanischen Eierkuchen mit Kartoffeln. Hm das tut gut. Um 13 Uhr macht der Käptn mal für zwei Stunden den Motor an, aber nur um Strom zu machen, der Schleppgenerator schafft es nicht ganz und die Solarzelle war den ganzen Tag über vom Großsegel abgeschattet.

Der Wind dreht auf Nordwest, wir können höher ran. Die Röde Orm liegt super in den Wellen und wir schweben übers Wasser. Segeln ist schon toll. Wir schlafen viel, lesen viel, nachts guckt die Erste gern mal n Film, um die Müdigkeit zu überwinden. Snickers hilft, wenn es gar nicht mehr geht. Und das neue Lieblingskaugummi mit viel Vitamin C, wenn es unangenehm in der Magengegend wird. So fliegt der Tag dahin. Wir schaffen die Halbzeit, jetzt haben wir schon mehr Meilen gesegelt, als noch vor uns liegen.

Am Abend haben wir die 100sm Schallmauer überquert – irgendwie ist das immer besonders. Der schlappe Nachmittagswind nimmt zum Glück wieder etwas zu und bringt uns segelnd weiter Richtung Lanzarote.

Over und aus.

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